Hochsensibilität und Spiritualität

Sind Hochsensible öfter an Spiritualität interessiert?

Welche Verbindung gibt es zwischen Spiritualität und Hochsensibilität? Wenn man im Internet über Hochsensible und Hochsensibilität nachliest, entsteht der Eindruck einer engen Verbindung. Demnach richten Hochsensible ihre Aufmerksamkeit offenbar stärker auf Themen von Spiritualität und Selbsterfahrung. Allerdings fehlen bisher empirische Daten, ob Hochsensible tatsächlich ihr Leben stärker spirituell ausrichten.

Datenauswertung bei Gleichklang

Häufigkeit spirituellen Interesses

Auf der Grundlage der Datenanalyse der Mitglieder unserer Kennenlern-Plattform Gleichklang haben wir eine Datenauswertung vorgenommen. So ist es uns möglich, die Frage zu beantworten, ob hochsensible Menschen besonders oft spirituell ausgerichtet sind:

  • 2748 von 17799 eindeutig nicht hochsensiblen Mitgliedern (15,5%) gaben an, sich unbedingt einen Partner zu wünschen, der Interesse an einer gemeinsamen spirituellen Lebensführung hat.
  • 1356 von 3531 eindeutig hochsensiblen Mitgliedern (38,3%) gaben an, unbedingten Wert auf einen Partner zu legen, mit dem sie gemeinsam einer spirituellen Lebensführung nachgehen können.
  • Der Unterschied zwischen den hochsensiblen und nicht hochsensiblen Mitgliedern ist statistisch signifikant. Er lässt sich mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 99% nicht durch den Zufall erklären.

Die Daten zeigen allerdings auch, dass keineswegs alle Hochsensiblen eine so starke spirituelle Ausrichtung vertreten, dass sie es für zwingend halten würden, einen spirituell orientierten Partner kennen zu lernen. Vielmehr traf dies nur auf eine starke Minderheit von etwas über 38% der hochsensiblen Gleichklang-Mitglieder zu.

Wurde allerdings die schwächere Bejahung des Interesses an einem spirituellen Partner (eher ja) mit einbezogen, stieg das Interesse an Spiritualität bei den hochsensiblen Gleichklang Mitgliedern auf 65% an. Bei den nicht hochsensiblen Mitgliedern war lediglich ein Anstieg auf 37,2% zu beobachten.

Dezidiert abgelehnt wurde Spiritualität bei der Partnersuche nur von 13% der Hochsensiblen. Aber von immerhin 32% der nicht hochsensiblen Mitglieder von Gleichklang zeigten eine Ablehnung.

Auch diese Unterschiede waren ausnahmslos statistisch signifikant.

Datenbasis der Auswertung

Die hochsensiblen Mitglieder hatten nach Vorlage der Definition von Hochsensibilität auf einer Skala mit fünf Stufen eindeutig bejaht, hochsensibel zu sein (stärkste Bejahung). Die nicht hochsensiblen Mitglieder hatten auf der gleichen Skala die unterste Stufe (nein) oder die vorletzte Stufe (eher nein) gewählt.

Die mittleren beiden Stufen wurden aus der Datenauswertung ausgeschlossen. Dies sollte sicherzustellen, dass sich in der Stichprobe der Hochsensiblen möglichst keine Nicht-Hochsensiblen und in der Stichprobe der Nicht-Hochsensiblen möglichst keine Hochsensiblen befanden.

Eher nein und nein wurden als nicht hochsensibel zusammengefasst, da sie mindestens zwei Stufen von der eindeutigen Bejahung entfernt lagen. Diese Abstand lässt es sehr unwahrscheinlich erscheinen, dass Hochsensibilität vorliegt.

Eher ja wurde nicht als hochsensibel gewertet, da diese Antwort einen deutlichen Zweifel bei den Teilnehmern erkennen ließ. Bei vielen dürfte daher das volle Konzept der Hochsensibilität nicht vorliegen. Zudem zeigen die Daten unserer laufenden Umfrage, dass sich Personen, die eindeutig ja angeben sehr deutlich von Personen mit eher ja unterscheiden.

Resümee

Eine starke Minderheit von etwas mehr als 38% der hochsensiblen Gleichklang-Mitglieder zeigen eine starke spirituelle Ausrichtung bei der Partnersuche. Wird auch das eher ja einbezogen, steigt diese Anteil auf 65% an. Weitaus geringer sind die entsprechenden Zahlen bei den nicht hochsensiblen Mitgliedern. Hier schwanken die spirituelle Ausrichtung  zwischen 15,5 und 37,2%. Sehr viel seltener als nicht hochsensible Gleichklang Mitglieder lehnen hochsensible Mitglieder Spiritualität ab.
Diese Befunde unterstützen die oftmals geäußerte Annahme, dass Hochsensibilität zu Interesse und Auseinandersetzung mit Spiritualität prädisponiere. Spiritualität und Hochsensibilität weisen insofern einen klaren Überlappungsbereich auf. Trotzdem gibt es ebenfalls hochsensible Menschen, die sich nicht für Spiritualität interessieren oder dieser ablehnend gegenüber stehen.
Neben der Hochsensibilität dürften die Sozialisation, besondere Lebensereignisse und allgemein die Lebenserfahrungen eines Menschen eine maßgebliche Rolle dafür spielen, ob und in welcher Stärke sich ein Interesse für Spiritualität entwickelt.

About Author:

Guido F. Gebauer, studierte Psychologie an den Universitäten, Trier, Humboldt Universität zu Berlin und Cambridge (Großbritannien). Promotion an der University of Cambridge zu den Zusammenhängen zwischen unbewusstem Lernen und Intelligenz. Im Anschluss rechtspsychologische Ausbildung, Tätigkeit in der forensischen Psychiatrie und 10-jährige Tätigkeit als Gerichtsgutachter. Gründung der psychologischen Kennenlern-Plattform www.Gleichklang.de 2006. Arbeitet seither als Psychologe für Gleichklang. Autor bei Hochsensible.eu, vegan.eu und Menschenrechte.eu

13 thoughts on “Hochsensibilität und Spiritualität

  1. Mir ist nicht ganz klar, was Sie eigentlich genau unter Spiritualität verstehen. Oben in Ihrem Schreiben ist auch noch von Selbsterfahrung die Rede, während dieser Begriff weiter unten nicht mehr auftaucht. Ist hier die Selbsterfahrung in der Spiriualität mit inbegriffen oder wurde sie nicht mehr weiter berücksichtigt?

    1. Wir haben untersucht, ob Menschen, die sich selbst als spirituell bezeichnen, eher hochsensibel sind. Der Begriff der Spiritualität ist damit also nicht durch uns stringend bestimmt. Dennoch können Menschen mit diesem Begriff ja auch im Alltag kommunizieren. Sie haben Recht, dass die Bezeichnung „Selbsterfahrung“ einen deutlich weiteren Inhalt hat, wobei Menschen mit spirituellem Interesse dieses aber in der Regel auch als Ausdruck von Selbsterfahrung sehen.

  2. Es wäre sehr leicht erklärbar, dass es einige hochsensible Menschen gibt die Spiritualität ablehnen, wenn man nicht alle über einen Kamm scheren, sondern das integrale Entwicklungsmodell von Ken Wilber, oder die Spiral Dynamics über die Studie legen würde.
    Ich selber habe mich als Hochsensibler an der Studie beteiligt und auch ich hatte eine Phase, wo ich nach den Erfahrungen mit dem halbseidenen esoterisch / spirituellen Mist (Selbsterfahrung) der so angeboten wird und damit auch die Idee, dass es da einen „Schöpfer“ gibt, total abgelehnt habe. Und wohl zu Recht!
    Besonders wichtig ist zu bedenken, dass man nur etwas ablehnen kann, von dem man glaubt, dass es da ist. Somit ist die Ablehnung von „Gott“ eigentlich nur die andere Seite der Medalie von Annehmen. Also im Grunde auch spirituell und vielleicht nur eine Phase die man durchmacht, um eine Erfahrung zu machen.

    Das integrale Entwicklungsmodell runter gebrochen auf einen simplen Nenner bedeutet, dass in einer frühen Phase der Entwicklung, egal zu welchem Thema, zunächst ein „ja“, dominieren kann, danach ein „nein“, danach – mit zunehmendem Alter und Erfahrungen – sich ein „sowohl“ als „auch“ einstellt.
    Es wäre also nicht die erste psychologische Studie, die wie ein Bikini vieles zeigt aber das Wesentliche nicht offenbart, weil sie den jeweiligen Entwicklungsstand der Teilnehmer nicht berücksichtigt.

    1. Der Kommentar weist auf eine wesentliche Frage hin, nämlich, ob sich Entwicklungsprozesse ergeben. Allerdings stellen wir keine substantiellen Alterstrends fest. Es ist bei den jüngeren, mittleren und älteren Gleichklang-Mitgliedern so, dass diese häufiger Wert darauf legen, eine spirituell interessierte Person kennzulernen, als dies nicht hochsensible Mitglieder tun. Es gilt übrigens auch für beide Geschlechter und der Effekt bleibt erhalten, wenn wir für den Bildungsstand kontrollieren. Natürlich bedeutet dies nicht, dass Menschen sich nicht verändern und entwickeln würden. Offenbar ist es aber schon ein recht häufiges Merkmal von Hochsensibilität, dass Interesse an Spiritualität besteht. Übrigens haben wir dies auch völlig wertfrei ausgewertet und hätten es ebenso veröffentlicht, wenn das Ergebnis gegenteilig gewesen wäre.

  3. Bei der Auswertung sollte berücksichtigt werden, dass ein hochsensibeler Mensch mitunter ohnehin schon so seine „spirituellen“ Antennen hat und häufig “ zu viel“ wahrnimmt, dass einige von. ihnen sich gern einen Partner wünschen, der nicht auch noch so “ spirituell“ ausgerichtet ist sondern eher lebenspraktisch “ down to earth“.

    1. Das ist sicherlich richtig und gilt für einzelne Personen. Allerdings ergeben sich nahezu identische Ergebnisse, wenn wir nicht die Suche nach einem Partner, sondern die Eigenbeschreibung als Grundlage nehmen. Auch ist es so, dass die große Mehrheit von Mitgliedern mit Hochsensibilität sich ebenfalls einen hochsensiblen Partner wünschen würde. Das können wir ebenfalls aus der laufenden Umfrage erkennen. Aber es gibt in der Tat die unterschiedlichsten individuellen Verarbeitungsweisen und nicht jeder Mensch kann über „einen Kamm geschoren werden“.

  4. Ich bin hochsensibel sowie spirituell, und habe diese „Kombi“ auch bei 2 meiner Freundinnen festgestellt.
    Für mich war und ist die Spiritualität stets ein Halt sowie Orientierung gewesen.
    Mit der angeborenen Feinfühligkeit hätte ich ansonsten meinen sehr holperigen Lebensweg längst nicht so gut
    gehen können.
    Spiritualität hat für mich viel mit loslassen, annehmen sowie verstehen zu tun.
    Es geht bei Spiritualität im Prinzip nur um die Liebe, bzw, um die fehlende Liebe.
    Meine Hochsensibilität ist durch die Spiritualität zu einem Geschenk geworden.
    Lange war sie ein Fluch, und nicht der heutige Segen.

  5. Danke, dass Sie dieses Thema überhaupt ansprechen.
    Ich wusste nicht, dass es hier Zusammenhänge gibt. Ich habe erst vor Kurzem erfahren, (durch Tests und Freundin) dass ich zu den sehr Hochsensiblen gehöre… und dies ist nun für mich zu mindestens eine Teilantwort auf die vielen, völlig unerwarteten, nicht unbedingt gewünschten Erfahrungen in spirituellen Bereichen.
    Vielen Dank.

  6. Ich hatte schon länger den Verdacht, das dieses Verhältnis so ist. Seit ich das erste Mal mit dem Thema Hochsensibilität in Berührung kam, habe ich auch mein Bedürfnis nach Spiritualität in meinem Leben viel mehr Raum gegeben.
    Ich bin in einem sehr „geerdeten“ Umfeld groß geworden und lebe auch heute noch darin. Für mich wäre es eine Wohltat einen Partner zu finden, der ebenfalls hochsensibel ist, da ich die Erfahrung gemacht habe, das „unsere Spezies“ öfter mal die gängige Meinung von richtig und falsch etc. in Frage stellt. Ich denke dabei an offenen, vorurteilsfreien Gedankenaustausch, schwingen auf der gleichen hohen Frequenz etc. Dies ist meiner Erfahrung nach mit den „normalen“ Menschen erst nach langwierigen Erklärungen möglich und selbst dann nur mit sehr offenen, toleranten Personen.

  7. Ich finde es schön, dass diese Seite das Thema sensibilisiert.
    Dabei stelle ich mir allerdings wie andere vor mir die Frage, wie der Autor Spiritulität definiert. Er macht es nicht, bezieht sich jedoch darauf und untersucht Wechselwirkungen zwischen Spiritualität und Hochsensibilität. Dies mit der Begründung, dass es keine empirischen Werte gibt.
    Womit wir für mich beim Thema sind, denn Spirituelles existiert, ob wir es wahr haben wollen oder nicht, noch wissenschaftlich belegen können. Für mich ist das Wesentliche der Spirritualität das weitere Erwachen unserer Fähigkeiten als Menschen und einher die größere Wahrnehmung, mit der wir alles um uns herum erfassen. Das sprengt alte Denkmuster, löst uns zunehmend von der Herde ab.
    So sind für mich die bezeichneten hochsensiblen Menschen (ich zähle mich zu ihnen), die in ihren laufenden Prozessen mehr und mehr an Energien/Schwingungen ins Bewusstsein holen, sie als real existierend akzeptieren und sie in den eigenen Alltag einbinden. Da ergeben sich natürlich aus unserer bisherigen Konditionierung eine Vielzahl von Hürden und Problemen, die es zu wandeln gilt – als Prozess der Selbsterkenntnis, der Entstehung eines wahren SelbstBewusstseins. Je mehr wir uns dieser Prozesse annehmen, desto mehr nehmen wir uns selbst an und bringen uns damit erst in die Lage, andere wirklich annehmen und akzeptieren zu können – in Wahrung unserer selbst und erforderlicher Abgrenzung. Somit sind wir dabei, das Göttliche anzunehmen, Gott in uns selbst zu leben und das Göttliche im anderen wie uns selbst als das zu sehen, was es ist: göttliche Harmonie.

  8. Den Kommentar von Rainer finde ich sehr gut. Ich finde, früher oder später kommen wir zur Spiritualität. Die konservative Wissenschaft lehnt sie noch ab. Max Planck, Michael König, Dieter Brörs, Greg Braden und viele andere Wissenschaftler liefern hier deutliche klare Fakten. Jeder kann seinen Weg nur selber gehen, und das ist auch gut so.

  9. Die Sache mit der Spiritualität ist ja deswegen so schwierig, bzw. strittig, weil man spirituelle Phänomene nicht mir physischen Augen sehen und nicht mit physischen Ohren hören kann.
    Dazu braucht es feinere Wahrnehmungsorgane, über die Hochsensible sicher eher verfügen, als Normalsensible. Alle Menschen aber können sich darin üben, wenn sie das wollen.
    Unter den Naturwissenschaftlern muss es auch Hochsensible geben. Wie sonst kann man sich z.B. die Forschungen im Bereich der Nano-Welt erklären. Da wird deutlich, dass im Inneren fester Stoffe alle Teile in Bewegung sind, nichts fest und starr ist. Hochsensible wissen das längst.
    Hochsensible Forscher gehen da aber noch weiter. Ihnen gelingt es, die Bewegungsmuster in den kleinsten atomaren Teilchen zu verändern, so dass sie „Befehle“ ausführen können – dass das zum Wohle der Menschheit geschieht, bleibt zu hoffen, denn das ist dann nicht mehr in der Gewalt der hochsensiblen Forscher.
    Silvia

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