Was ist Hochsensibilität?

Konzept Hochsensibilität

Hochsensibilität (HSP) bezeichnet die Eigenart von Menschen, besonders intensiv auf Reize zu reagieren und diese in einer besonders eingehenden Art und Weise zu verarbeiten. Hochsensibilität ist keine psychische Störung, sondern eine normal-psychologische Besonderheit. Es wird berichtet, dass der Anteil hochsensibler Menschen bei ca. 10 bis 20% liege.

Die Begründerin des Begriffs der Hochsensibilität Elaine Aron nimmt eine neuropsychologische Ursache für Hochsensibilität an. Demnach kennzeichnen sich hochsensible Menschen durch eine besondere Konstitution des neuronalen Systems, die zu einer erhöhten Empfindsamkeit führe. Die entsprechende Forschung steckt aber noch in den Kinderschuhen.

Tatsächlich hat sich das Phänomen der Hochsensibilität bisher noch nicht als ein weitverbreitetes Forschungsthema innerhalb der Psychologie und Neuropsychologie durchgesetzt. Das Interesse ist aber wachsend und es werden vermehrt wissenschaftliche Forschungsarbeiten zu Hochsensibilität und hochsensiblen Menschen publiziert.

Abgrenzung und Auswirkungen

Hochsensibilität ist nicht zu verwechseln mit einer reinen Überempfindlichkeit gegenüber Reizen. Viemehr bezieht sich Hochsensibilität auf eine tatsächlich tiefergehendere und intensivere Reizverarbeitung. Weil hochsensible Menschen ihre Umgebung intensiver wahrnehmen, neigen sie entsprechend auch eher dazu, intensivere Reaktionen zu zeigen, die emotional, gedanklich oder verhaltensbezogen stattfinden können.

Hochsensible Personen kennzeichnen sich beispielsweise durch eine ausgeprägte und detailreiche Wahrnehmung, intuitives Denken, eine hohe und komplexe Fantasietätigkeit, ein oft sehr intensives Erleben von Musik oder Kunst und auch häufig eine erhöhte Begeisterungsfähigkeit.

Neben solchen Ressourcen kann Hochsensibilität aber ebenfalls mit innerpsychischen oder sozialen Problemen verbunden sein. So wird für Hochsensible eine leichtere Beeinflussbarkeit durch Stimmungen und Verhalten anderer Menschen beschrieben. Dies kann die oftmals in sozialen Beziehungen notwendige Abgrenzungsfähigkeit vermindern. Es kann dadurch zu einer tatsächlichen Reizüberempfindlichkeit kommen, die wiederum bei mangelndem Verständnis der sozialen Umgebung zu einer Beeinträchtigung partnerschaftlicher und freundschaftlicher Beziehungen, aber auch schulischer und beruflicher Werdegänge führen kann.

Allerdings führt nicht die Hochsensibilität an sich zu Schwierigkeiten. Vielmehr hängt es entscheidend von den Reaktionen der sozialen Umgebung und auch den eigenen Bewältigungsstrategien ab, ob eine hochsensible Person von ihrer besonderen Wahrnehmungssensitivität eher profitiert oder unter ihr leidet.

About Author:

Guido F. Gebauer, studierte Psychologie an den Universitäten, Trier, Humboldt Universität zu Berlin und Cambridge (Großbritannien). Promotion an der University of Cambridge zu den Zusammenhängen zwischen unbewusstem Lernen und Intelligenz. Im Anschluss rechtspsychologische Ausbildung, Tätigkeit in der forensischen Psychiatrie und 10-jährige Tätigkeit als Gerichtsgutachter. Gründung der psychologischen Kennenlern-Plattform www.Gleichklang.de 2006. Arbeitet seither als Psychologe für Gleichklang. Autor bei Hochsensible.eu, vegan.eu und Menschenrechte.eu

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