Hochsensible Liebe

Hochsensible Liebe: Was Betroffene sagen

Stichprobe

In unserer laufenden Hochsensibilitäts-Umfrage zum Thema hochsensible Liebe haben 338 hochsensible Teilnehmende in freien Texten beschrieben, wie sich ihre Hochsensibilität auf partnerschaftliche Beziehungen ausgewirkt hat.

Um sicherzustellen, dass möglichst nur tatsächlich Hochsensible in die Untersuchung einbezogen werden, wurde folgendes Vorgehen gewählt:

  • Allen Teilnehmenden wurde die folgende Definition von Hochsensibilität dargeboten: „Hochsensible Personen kennzeichnen sich durch eine besonders ausgeprägte und detailreiche Wahrnehmung, eine deutliche Tendenz zum intuitiven Denken, ein oft sehr intensives Erleben von Musik oder Kunst, eine erhöhte Begeisterungsfähigkeit und eine besonders komplexe Fantasietätigkeit. Hochsensible weisen aber ebenfalls häufig eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit und eine leichtere Beeinflussbarkeit durch Stimmungen und Verhalten anderer Menschen auf“
  • Die Teilnehmenden wurden gebeten, auf einer vierstufigen Skala zu beantworten, inwiefern diese Definition auf sie zutrifft (ja, eher ja, vielleicht, eher nein, nein)
  • Die Teilnehmenden wurden auf einer sechsstufigen Skala befragt, wie sicher sie sich ihrer Einschätzung sind (sehr sicher, sicher, eher sicher, eher unsicher, unsicher, sehr unsicher)
  • In die folgende Auswertung wurden nur diejenigen Teilnehmenden einbezogen, die sowohl ein eindeutiges Ja zur eigenen Hochsensibilität wie auch die höchste Sicherheitsstufe angaben

Ausschluss von Antworten

Aus den Antworten von insgesamt 87 Personen (26%) konnte nicht genauer entnommen werden, welche spezifischen Einflüsse ihre Hochsensibilität auf ihre partnerschaftlichen Beziehungen ausübten:

24 Personen (7%) gaben pauschal an, dass ihre Hochsensibilität ihre Beziehungen stark beeinflusst habe, ohne aber dafür eine nähere Beschreibung zu geben. 23 Personen (7%) sprachen pauschal von einem positivem Einfluss, ohne diesen genauer zu beschreiben. 17 Personen (5%) sprachen pauschal von einem negativen Einfluss, ebenfalls ohne diesen zu beschreiben. Überhaupt keine Einstufung war bei den Antworten von 23 Personen (7%) möglich, z. B. weil diese die Frage für nicht beantwortbar hielten.

Aus der Auswertung wurden diese 87 Antworten ausgeschlossen, so dass sich die letztliche Auswertung zur Thematik hochsensilbe Liebe auf  251 Antworten stützt. Die Auswertung dieser 251 Antworten ergibt einen Einblick in die Tiefenstruktur partnerschaftlicher Beziehungserfahrungen von hochsensiblen Menschen. Deutlich wird dabei auch ein hohes Ausmaß an Variabilität und Individualität.

Auswertung

Wir haben die Antworten qualitativ ausgewertet. Hierzu wurde jede Antwort gelesen und dann einer oder mehreren Kategorien zugewiesen, die ihren Inhalt erfasste.

Die Kategorien wurden im Verlauf des Lesens der Texte entwickelt. So konnte die Offenheit der Auswertung sichergestellt werden. Im Anschluss wurden vergleichbare Kategorien zusammengeführt. Außerdem wurde noch einmal die Einstufung alle Antworten überprüft und gegebenenfalls verändert.

Typischerweise war jede Antwort mehreren Kategorien zuzuordnen.

Ergebnisse “ hochsensible Liebe“

Die Ergebnisse werden in der Reihenfolge der Häufigkeit der einzelnen Kategorien dargestellt. Zur Verdeutlichung der Bedeutung der Kategorien werden jeweils wörtliche Zitate von Äußerungen wiedergegeben, die der entsprechenden Kategorie entsprechen.

Unverstanden fühlen

92 Personen gaben an, dass sie sich mit ihrer Hochsensibilität durch Partner unverstanden fühlten. Dies entspricht einem Anteil von 41% der Stichprobe aus 251 Antworten:

  • „ich wurde nicht als der wahrgenommen, der ich bin“ Unverständnis mit gegenüber
  • „ Negativ. Meine Reaktionen wurden nicht verstanden“
  • „Ich wurde nicht verstanden und fühlte mich nicht ernst genommen. War oft müde und dann fühlte ich mich überfordert von den Bedürfnissen des Partners. Meine Gedankenwelt wurde nicht verstanden. Ich war schnell gereizt“
  • „Unverständnis bei Partner, weniger Verbindung. Wenig Rücksicht“
  • „Ich habe mich oft unverstanden und einsam gefühlt“
  • „Es fehlte an Verständnis für meine Hochsensibilität, bzw. es wurde nicht akzeptiert“
  • „fühlte mich zunehmend einsam und unverstanden“
  • „Habe mich nie verstanden gefühlt. Auch wenn ich in einer Beziehung war, war ich immer einsam“

Bewertung

→ Deutlich wird aus diesen Antworten hochsensibler Menschen, dass das Gefühl und die Erfahrung, durch den Partner nicht wirklich verstanden zu werden, offenbar sehr häufig auftritt. Es kann zu dem Gefühl der Einsamkeit in einer Partnerschaft führen.

Abgrenzung als Schwierigkeit und Herausforderung

59 Personen gaben an, dass sie sich als hochsensibler Mensch nur schwer von Partnern abgrenzen konnten oder dies eine besondere Herausforderung für sie war. Dies entspricht einem Anteil von  24% der Stichprobe aus 251 Antworten:

  • „Ich habe mich oft verloren in Beziehung und habe nicht gemerkt, dass ich Emotionen des Partners übernehme oder mit all meinen Gedanken und Emotionen beim anderen bin“
  • „Lernen bei sich selbst zu bleiben und nicht aus Versehen mit dem anderen verschmelzen“
  • „zu starke Anpassung meinerseits“
  • „Mir ist es sehr schwer gefallen mich in der Beziehung von meinem Partner emotional abzugrenzen. Ich habe in der Beziehung sehr gelitten, da ich mich immer verantwortlich gefühlt habe. Auch die Stimmungen von meinem Partner haben sich ständig auf mein eigenes Gefühlsleben ausgewirkt“
  • „Mangelnde Abgrenzungsfähigkeit war ein großes Problem für mich, …besonders schöne und besonders negative Momente waren besonders intensiv, habe viel erlebt und gelernt, viele sehr unterschiedliche Kontakte durch großes Bedürfnis Neues kennenzulernen“
  • „ich empfand mich als „falsch“, hatte Minderwertigkeits- komplexe, ließ mich zu sehr bestimmen und beeinflussen, hab meist gemacht, was Partner wollten war sehr harmoniebedürftig, wollte dem Partner helfen, ihm dienen … was ausgenutzt wurde“
  • „Ich konnte mich nicht genügend abgrenzen. Die Beziehungen haben mich überanstrengt“

Bewertung

→ Erkennbar wird, dass die notwendige Abgrenzung gerade für hochsensible Menschen eine besondere Herausforderung ist. Gelingt die Abgrenzung nicht, kann dies zu emotionaler Belastung und selbstschädigender Selbstaufopferung führen. Abgrenzung und Selbstfürsorge sind ein wichtiges Thema für die partnerschaftliche Beziehungsgestaltung hochsensibler Menschen.

Verletzungen und Leiden

36 Personen berichteten über Verletzungen in partnerschaftlichen Beziehungen und ein ausgeprägtes Leiden, was über das reine Gefühl des Unverstanden-Werdens hinausging. Dies entspricht einem Anteil von 14% der Stichprobe aus 251 Antworten:

  • „Ich mußte sie unterdrücken, fühlte mich einsam, war hilflos und wie amputiert. Mein Innerstes fühlte sich vergewaltigt und ich wurde zum Schatten, sah mich nicht mehr und kämpfte gegen mich anstatt für mich“
  • „Ich habe vieles sehr schnell persönlich genommen und mich automatisch abgewertet gefühlt, wenn Streit aufkam. Wenn jemand mir gegenüber aggressiv im Sinne von lauter oder Ähnliches wurde, habe ich das entweder nicht gestoppt und in mich hereingefressen oder mich schlussendlich einfach getrennt, weil ich das nicht verzeihen konnte“
  • „Verletzungen, emotionale Tiefpunkte, aber immer wieder Rückkehr, starke sexuelle Anziehung, kein Zusammensein im Alltag“
  • „Ich wurde in meinen Gefühlen nicht vollständig wahrgenommen und konnte mich nicht richtig wehren bzw. in manchen Dingen durchsetzen. Meine Gefühle wurden verletzt“
  • „ich habe mehr gelitten als geliebt“
  • „unverständiss beim partner dadurch häufige verletzungen auf verschiedenen ebenen“
  • „Es wurde immer gern auf meinen empfindlichen Gefühlen herumgetrampelt, ich habe mich ständig selbst erniedrigt und demütigen lassen. Ich bin so kaputt davon, dass ich mit keinem Menschen mehr zusammen sein kann“
  • „zu viele Verletzungen, emotional“

Bewertung

→ Verletzungen und Leiden gingen oft mit erlebtem Unverständnis und mangelnder Abgrenzung einher. Deutlich wird, wie wichtig es gerade für hochsensible Menschen ist, darauf zu achten, dass eine Liebesbeziehung nicht eine Leidensbeziehung wird.

Schwierig und kompliziert

27 Personen gaben an, dass sie ihre partnerschaftlichen Beziehungen aufgrund ihrer Hochsensibilität als insgesamt schwierig, anstrengend oder kompliziert erlebten. Dies entspricht einem Anteil von 11% der Stichprobe aus 251 Antworten:

  • „Hat sie schwieriger gemacht“
  • „Mit dem richtigen Partner letztlich ausschließlich positiv, auch wenn es manchmal anstrengend ist“
  • „hat Beziehungen erschwert“
  • „Es war sehr erschwerend für mich“
  • „Sie hat sie enger, aber auch schwieriger gemacht“
  • „Es hat sie für den Partner erleichtert und für mich erschwert“
  • „Teilweise anstrengend für beide Seiten. An muss viel Verständnis für einander aufbringen“
  • „verkompliziert“
  • „oft disharmonisch und anstrengend, fühlte mich zunehmend einsam und unverstanden, konnte mich nicht wirklich leben, Konflikte nahmen zu, Beziehung ging u Ende“

Bewertung

→ Die erhöhte Schwierigkeit von Beziehungen kann zu Auseinandersetzungen, Leiden und Trennung führen. Ebenfalls kann es aber gelingen, die Schwierigkeiten zu meistern und die Beziehung positiv zu entwickeln.

Besondere Nähe wird möglich

24 Personen berichteten, dass ihre Hochsensibilität ihnen das Erleben von besonders großer Nähe in partnerschaftlichen Beziehungen ermöglicht habe. Dies entspricht einem Anteil von 9% der Stichprobe aus 251 Antworten:

  • „Durch meine intensive Wahrnehmung mit allen Sinnen nehme ich meine Beziehungen sehr umfassend und „gewinnbringend“ war. Eine starke Nähe ist möglich, ohne mich selber aufzugeben. Meine Partner fühlen sich sehr gesehen und angenommen …“
  • „besonders Qualität und Tiefe im Miteinander“
  • „Türen konnten geöffnet werden, Bewusstheit und Klarheit, Herzlichkeit durchströmend“
  • „Ich habe eine große Offenheit in die Beziehung eingebracht, was meine Partner als sehr positiv erlebten und wodurch sie sich ebenfalls gut öffnen konnten – viele tiefgehende Gespräche, großes Vertrauen und Möglichkeit, ganz man selbst zu sein. …“
  • „Habe viel vom anderen mitgekriegt, daher viel Nähe, durch die Nähe aber auch starke Emotionen und Reaktionen bei mir, was nicht immer einfach für beide ist“
  • „Eine besondere „Glückseligkeit“ und Nähe habe ich mit einem hochsensiblen Mann erlebt“
  • „Es hat sie intensiver gemacht“
  • „Extremes Gefühl von Nähe und Zusammengehörigkeit. …“

Bewertung

→ Unverstandensein muss in partnerschaftlichen Beziehungen hochsensibler Menschen nicht dominieren. Manche Hochsensible erleben ihre Hochsensibilität vielmehr als Möglichkeit, ein besonders hohes Ausmaß an emotionaler Intensität und Nähe in einer Beziehung herzustellen.

Trennungen als Folge

20 Personen berichteten, dass aufgrund ihrer Hochsensibilität Beziehungen auseinander gegangen seien. Dies entspricht einem Anteil von  8% der Stichprobe aus 251 Antworten:

„Beziehungen sind oft aufgrund meiner „Überempfindlichkeit“ und deshalb häufigen psychosomatischen Beschwerden, aufgrund derer ich nicht einfach alles mitmachen konnte, auseinander gegangen. Die Partner konnten nicht soviel Rücksicht aufbringen…“

  • „… Oberflächlichkeiten Werden Schnell durchschaut und Beziehungen sind von kürzerer Dauer“
  • „Ich habe vieles sehr schnell persönlich genommen und mich automatisch abgewertet gefühlt, wenn Streit aufkam. Wenn jemand mir gegenüber aggressiv im Sinne von lauter oder Ähnliches wurde, habe ich das entweder nicht gestoppt und in mich hereingefressen oder mich schlussendlich einfach getrennt, weil ich das nicht verzeihen konnte“
  • „Konnte mit der Oberflächlichkeit meines Mannes nicht mehr umgehen und die Ehe wurde nach 25 Jahren beendet“
  • „Es war teils wie höchster Segen, teils wie ein Fluch. Höchste Liebe und Austausch auf allen Ebenen, auch nonverbal, eher medial usw. Dann aber auch krasse Trennung Abstürze auf Grund des Egos und auch der hohen Sensibilität, recht hoher Verletzlichkeit“
  • „Beziehungen beendet, da kein oder wenig Verständnis beim Partner da war. Oder er selbst unerlöst hochsensibel war und ständig meine Hilfe und Unterstützung benötigte“
  • „Ich hatte! in meiner letzten Beziehung zu viele Selbstzweifel bezüglich meiner Wahrnehmung. Mich ständig hinterfragt. Ich hatte kein „wirkliches“ Gegenüber. Daran ist letztendlich die Beziehung gescheitert…und das war gut sooo!“
  • „Es wurde immer gern auf meinen empfindlichen Gefühlen herumgetrampelt, ich habe mich ständig selbst erniedrigt und demütigen lassen. Ich bin so kaputt davon, dass ich mit keinem Menschen mehr zusammen sein kann“
  • „Die letzte Beziehung hielt dem nicht stand, für die aktuelle ist es ein Gewinn“

Bewertung

→ Trennung kann vor allem dann resultieren, wenn die eigene Hochsensibilität mit dem Wesen von Partnern unvereinbar ist. Trennung kann so auch als eine gesunde Abgrenzungsentscheidung und insofern als Ausdruck von Selbstfürsorge verstanden werden. Belastungen können aber auch so groß werden, dass die eigene Beziehungsfähigkeit Schaden nimmt.

Destruktive Streiterei

17 Personen berichteten, dass es aufgrund ihrer Hochsensibilität zu belastenden und letztlich auch nicht zielführenden Streitigkeiten in Partnerschaften gekommen sei. Dies entspricht einem Anteil von 7% der Stichprobe aus 251 Antworten:

  • „Konfliktreich“
  • „Es hat oft zu unnötigen Konflikten geführt die keine positiven Ergebnisse brachten“
  • „Es gab eher Streit“
  • „In der Beziehung mit einem nicht hochsensiblen Mann habe ich mich missverstanden und überfordert gefühlt. Ein Beispiel: Lärm halte ich nicht lange aus. Es gab Streit, weil ich eher von einer Party nach Hause wollte. Er sagte, ich solle mich nicht so anstellen …“
  • „Ich habe mir vieles viel mehr zu Herzen genommen und würde dadurch oft gar nicht von meinem Partner verstanden, was wiederum zu Konflikten führte“
  • „oft disharmonisch und anstrengend, fühlte mich zunehmend einsam und unverstanden, konnte mich nicht wirklich leben, Konflikte nahmen zu, Beziehung ging u Ende“
  • „Konflikte sind (meinerseits) leicht emotional eskaliert… ich fühlte mich zunehmend unzufrieden, da sich reden mit ihm selten gut anfühlte …“
  • „Streitsituationen waren für mich sehr schwer auszuhalten. Probleme mich abzugrenzen in der Beziehung“

Bewertung

→ Destruktiver Streit als Ausdruck der eigenen Hilflosigkeit gegenüber Reizüberflutung und mangelndem Verständnis kann zu einer sehr ernsthaften Belastung in partnerschaftlichen Beziehungen werden. Zu unterscheiden ist Streit im destruktivem Sinn von konstruktiver Auseinandersetzung und Klärung.

Rückzug

17 Personen berichteten, dass sie aufgrund ihrer Hochsensibilität mit Rückzug in Partnerschaften reagierten. Dies entspricht einem Anteil von  7% der Stichprobe aus 251 Antworten:

  • „Mein Gefühl, nie ganz verstanden zu werden, bringt mich immer wieder dazu, mich zurückzuziehen“
  • „Sie hat bei mir Überforderung, Wut, Rückzug und Lustlosigkeit ausgelöst“
  • „Die Hochsensiblität macht bestimmte Belastungen sehr viel schwieriger und führt zum Rückzug“
  • „Schnelle Überlastung und Überreizung führt zu vermehrtem Wunsch nach Rückzug. Dann bleibt wenig Zeit für den Partner. Auch schnelle Überlastung in geselligen Situationen und das Bedürfnis nach viel Schlaf kann auf den Partner belastend wirken“
  • „Resignation meinerseits, weil ich mich nicht angemessen mitteilen konnte und mich unverstanden fühlte; innerer Rückzug; geben und nehmen war nicht ausgeglichen“
  • „Eher negativ da der nicht hs Partner mit der Emotionalität und dem Rückzug bei Reizüberflutung nicht umgehen könnte“
  • „es hat dazu geführt, dass ich mehr oder weniger wie ein Einsiedler lebe, sprich außer zu meinen Kindern und meiner Freundin habe ich eigentlich keine Beziehungen“
  • „mit nicht hs partnern: Abwertung, Unverständnis, dadurch Rückzug“

Bewertung

→ Rückzug kann demnach negativ als Ausdruck von Hilflosigkeit und Flucht auftreten. Es kann sich aber auch um ein natürliches und schützendes Rückzugbedürfnis halten. Partner können hierauf wiederum mit Unverständnis reagieren.

Positive und negative Auswirkungen

16 Personen schilderten, dass ihre Hochsensibilitiät sich positiv wie negativ auf Beziehungen ausgewirkt habe. Dies entspricht einem Anteil von 7% der Stichprobe aus 251 Antworten:

  • „Himmel und Hölle“
  • „Es war teils wie höchster Segen, teils wie ein Fluch. Höchste Liebe und Austausch auf allen Ebenen, auch nonverbal, eher medial usw. Dann aber auch krasse Trennung Abstürze auf Grund des Egos und auch der hohen Sensibilität, recht hoher Verletzlichkeit“
  • „besonders schöne und besonders negative Momente waren besonders intensiv, habe viel erlebt und gelernt, viele sehr unterschiedliche Kontakte durch großes Bedürfnis Neues kennenzulernen“
  • „Positiv und Negativ“
  • „intensiviert im Positiven (bei Passung), als auch im Negativen (Nicht-Passung)“
  • „ich habe in schlechten Zeiten vermutlich mehr gelitten als nötig aber dafür gute Zeiten sicherlich mehr genossen als manch anderer“
  • „Zum einen bereichert, zum anderen manches verkompliziert. Aber der Preis ist okay ;)“
  • „Sie hat sie enger, aber auch schwieriger gemacht“
  • „Euphorie und Leiden ausgeprägt, Mitleiden stark. Kann viel Kraft kosten“
  • „Ich fühle einfach alles stärker, ob jetzt Streit, Eifersucht, Sexualität, Gefühle, Liebe, Hingabe, ….“

Bewertung

→ Hochsensibilität kann offenbar Gefühle und Erlebnisweisen in allen Richtungen intensivieren, eine Beziehung vereinfachen wie auch erschweren. Betroffene beschreiben teilweise ein Wechselbad der Gefühle, ein Schwanken zwischen Himmel und Hölle. Ergebnisse können in der Gesamtbilanz positiv sein, es kann aber auch das Leiden stärker bestimmend sein. Die Passung von Partnern spielt hier vermutlich letztlich eine entscheidende Rolle.

Beziehung mit hochsensiblen Partnern

16 Personen schilderten, dass sie positive Erfahrungen mit hochsensiblen Partnern gemacht hätten. Dies entspricht einem Anteil von 7% der Stichprobe aus 251 Antworten:

  • „Oft frustriert wenig verstanden viel besser mit hochsensiblen Partner“
  • „In meiner jetzigen Beziehung mit einem hochsensiblen Mann (der sich selbst nicht so einschätzt) ergänzen wir uns sehr gut. Wir sind uns in vielerlei Hinsicht ähnlich. Er respektiert meine Gefühle und nimmt mich ernst“
  • „Angenehm in der Partnerschaft mit sensiblen Menschen. Belastend in der Partnerschaft mit weniger sensiblen Menschen“
  • „es ist schwierig, einem nicht.-hochsensiblen Partner verständlich zu machen und sich nicht „verkehrt“ zu fühlen. Eine besondere „Glückseligkeit“ und Nähe habe ich mit einem hochsensiblen Mann erlebt“
  • „Insgesamt betrachte ich eine Beziehung zwischen Hochsensiblen zwar als sehr anstrengend aber überwiegend als bereichernd und vielleicht den einzigen Weg glücklich zu werden“
  • „mit nicht hs partnern: Abwertung, Unverständnis, dadurch Rückzug mit hs Partnern: aneinander Wachsen, sich öffnen“

Bewertung

→ Die Partnerschaft mit einem hochsensiblen Menschen kann für hochsensible Menschen ein Weg sein, um eine tragfähige Beziehung aufzubauen. So können offenbar Belastungen durch Unverständnis oder Reizüberlastung reduziert werden. Einige hochsensible schildern, hierdurch zu einer vertieften Beziehungsbasis gefunden zu haben.

Entwicklung

10 Personen gaben an, dass ihre Hochsensibilität ihnen und ihrer Partnerschaft eine Weiterentwicklung ermöglicht haben. Dies entspricht einem Anteil von  4% der Stichprobe aus 251 Antworten:

  • „Ich habe eigentlich nur daraus gelernt“
  • „besonders schöne und besonders negative Momente waren besonders intensiv, habe viel erlebt und gelernt, viele sehr unterschiedliche Kontakte durch großes Bedürfnis Neues kennenzulernen“
  • „das zu beschreiben reicht der Platz hier nicht – sehr bereichernd, ich habe sehr vieles über mich und andere Menschen gelernt“
  • „Es gelang mir fair und gerade die Beziehung zu beenden- sie als Geschenk an zu nehmen, aber auch klare Grenzen ziehen. Ich verlies sie weder als OPFER noch als Täter. Das war eine neue Erfahrung“
  • „Herausforderung für meinen Partner, weil er es aushalten musste, wenn ich verletzt war; sich seinen eigenen Ängsten vor Liebe gestellt hat, Spiritualität / Ganzheitlichkeit für meinen Partner eine ganz neue Sicht auf die Welt eröffnet hat, wir gemeinsam eine tiefe Weiterentwicklung von Sexualität erlebten“
  • „Anfangs war es schwierig nach einem Jahr wurde unsere Beziehung bis zu ihrem Tod immer harmonischer“

Bewertung

→ Hochsensibiltiät und Partnerschaft kann auch als Herausforderung und Lernmöglichkeit betrachtet werden. So können auch Trennungen rückwirkend ihren Sinn haben und vergangenen Beziehungen als Bereicherung für die Gegenwart erlebt werden.

Weitere Erlebnisweisen

Partnerlosigkeit aufgrund der eigenen Hochsensibilität (13 Personen). Belastung von Partnern durch die eigene Hochsensibilität (11 Personen). Schnelles Durchschauen von Fassaden und Lügen (10 Personen). Ausgenutzt werden (8 Personen) sowie intensives Angsterleben (3 Personen).

Jeweils eine Person schilderte eine nicht befriedigte Sehnsucht, Ruhelosigkeit oder die Erfahrung, dass es helfe, der inneren Stimme zu folgen.

Was sagen die Ergebnisse?

Vorsichtige Interpretation der Zahlen

Bedeutung der Häufigkeiten

Zunächst darf die teilweise eher geringe Häufigkeit der aufgefundenen Kategorien nicht mit einer geringen Bedeutsamkeit verwechselt werden. Denn das gewählte Vorgehen der Analyse völlig freier Texte führt notwendigerweise dazu, dass die tatsächliche Häufigkeit einzelner Kategorien erheblich unterschätzt wird:

In einem freien Text nennen Menschen in der Regel nicht alle bedeutsamen Aspekte. Sie stellen vielmehr vor allem das dar, was ihnen ganz besonders wichtig ist. Oder sie schildern das, was sie besonders gut schildern können. Ebenfalls können in einem freien Text schnell Aspekte vergessen werden. Freie Texte sind also selten vollständig.

Würden die gleichen Kategorien demgegenüber in einem Fragebogen vorgegeben und über Ankreuzen erfasst, würden sicherlich sehr viel häufigere Bejahungen resultieren. Daher sind auch die absoluten Zahlen weniger wichtig als die Rangreihe der Kategorien.

Bedeutsamer wird der quantitative Aspekt außerdem dann, wenn eine Kategorie sehr häufig genannt wird. Denn wenn trotz des freien Text-Formates eine Kategorie von vielen Befragten übereinstimmend genannt wird, ist tatsächlich von einer sehr hohen Häufigkeit und Bedeutsamkeit der entsprechenden Kategorie auszugehen.

Qualitative Analyse im Vordergrund

Das Vorgehen des freien Textes wurde nicht gewählt, um genaue Häufigkeiten bestimmen zu können, sondern um unvoreingenommen überhaupt erst einmal die Erfahrungen hochsensibler Menschen festzustellen. Die Konstruktion eines Fragebogen wird der zweite Schritt sein.

Im Vordergrund steht  im jetzigen Stadium die qualitative Analyse, also die Identifikation der Kategorien. Der quantitative Aspekt ist zwar ebenfalls interessant, aber der qualitativen Betrachtung untergeordnet.

Inhaltliche Interpretation

Hochsensible Liebe ist ein komplexes Feld. So können ganz allgemeine die Ergebnisse der Umfrage zusammengefasst werden.

Sich verstehen als Voraussetzung

Die Erfahrung, durch Partner nicht verstanden zu werden, ist ein zentrales Merkmal der Beziehungserfahrungen hochsensibler Menschen. Sich unverstanden zu fühlen, war die häufigste Kategorie in der fortlaufenden Erhebung. Wenn bereits in einer Befragung durch freies Textformat mehr als 40% der Befragten angeben, sich mit ihrer Hochsensibilität durch Partner nicht verstanden gefühlt zu haben, dürfte diese Erfahrung tatsächlich für die Mehrheit hochsensibler Menschen gelten.

Dieses Ergebnis ist auch inhaltlich unmittelbar nachvollziehbar:

Hochsensible Menschen verfügen über eine besondere Wahrnehmungsintensität. Sie haben auch ein erhöhtes Bedürfnis nach zwischenmenschlichem Verständnis und Anteilnahme. Damit aber drohen sie in einer mehrheitlich nicht hochsensiblen Welt auf Unverständnis zu stoßen. Dies kann zu innerer Einsamkeit in einer Beziehung führen.

Abgrenzung als Notwendigkeit

An zweiter Stelle folgt die Abgrenzung. Viele der Befragten berichteten über ein Scheitern der Abgrenzung. Gelingt die Abgrenzung nicht, wird die Selbstfürsorge gefährdet.  Hieraus wiederum können Verletzungen und Leiden, destruktive Konflikte oder auch Trennungen resultieren.

Im Einzelfall kann sogar die Kommunikations- und Beziehungsfähigkeit auch dauerhaft geschädigt werden.

Rückzug als Chance und Risiko

Rückzug ist ein Verhalten, welches Hochsensible als Bewältigungsstrategie anwenden. Es kann sie im Sinne eines Schutzfaktors vor Reizüberlastung schützen. Rückzug kann aber auch extrem werden und zu sozialer Isolation führen. Zudem kann Rückzug wiederum bei Partnern auf Unverständnis stoßen.

Trennung als Scheitern und Bewältigung

Neben dem Rückzug ist auch die Trennung eine Bewältigungsstrategie, die durchaus der Selbstfürsorge dienen kann. Wenn Verständnislosigkeit nicht zu überwinden ist und destruktive Streitereien dominieren, kann Trennung ein Ausweg sein. Allerdings resultiert bei einigen Betroffenen auch eine dauerhafte Partnerlosigkeit, die sie als Folge der eigenen Hochsensibilität erleben.

Hochsensible Liebe als Komplikation und Ressource

Hochsensibilität wird im Kontext partnerschaftlicher Beziehungen durch die Betroffenen nicht selten als komplizierender Faktor erlebt. Durch die eigene Hochsensibilität werde eine Beziehung schwierig, anstrengend oder frustrierend.

Es ist nicht sinnvoll, nur auf Defizite und Belastungen zu schauen. Vielmehr kann die hochsensible Liebe auch Ressource sein. Hierzu ist es wesentlich, die Schwierigkeiten als Herausforderung anzunehmen.

Tatsächlich schilderten die Befragten in der laufenden Umfrage keineswegs nur Belastungen durch ihre Hochsensibilität, sondern brachten ebenfalls positive Aspekte sowie Bewältigungsmöglichkeiten zum Ausdruck:

So wird insbesondere beschrieben, dass die eigene Hochsensibilität zu einem intensiveren emotionalen Miteinander und einem besonderen Ausmaß an Nähe führen könne. Emotionales Miteinander und Nähe sind dabei Erlebnisweisen, die für Hochsensible besonders wichtig sind und von ihnen entsprechend in hohem Ausmaß wertgeschätzt werden.

Überhaupt können die Auswirkungen der Hochsensibilität auf Beziehungen komplex sein und zu intensiviertem Erleben auf der positiven wie auf der negativen Gefühlsebene führen. Hochsensibilität kann sowohl als Erleichterung als auch als Erschwernis einer partnerschaftlichen Beziehung erlebt werden. Die Gesamt-Bilanz kann positiv, negativ oder gemischt ausfallen.

Ein mögliches positives Ergebnis ist die persönliche oder auch partnerschaftliche Weiterentwicklung. Mehrere Betroffene beschrieben, dass ihre Hochsensibilität ihnen letztlich eine solche persönliche oder gemeinschaftliche Weiterentwicklung ermöglicht habe.

Partnersuche

Es ergeben sich ebenfalls Implikationen für den Prozess der Partnersuche. Beschrieben wird, dass ein hochsensibler Partner die Stabilität und Tragfähigkeit einer Partnerschaften erhöhen könne. Die Wahl eines ebenfalls hochsensiblen Partners mag demnach in der Lage sein, die positiven Aspekte der Hochsensibilität für das Beziehungserleben zu e Geltung zu bringen und die möglichen negativen Auswirkungen abzuschwächen. Dies wurde zwar nur von eher wenigen Befragten in ihrem freien Text benannt. Das hängt aber wahrscheinlich auch damit zusammen, dass die meisten Befragten offenbar keine Erfahrungen mit ebenfalls hochsensiblen Partnern hatten. Diejenigen, die diese Möglichkeit erwähnten, berichteten demgegenüber letztlich ausnahmslos über positive Erfahrungen.

Welche Handlungsmöglichkeiten ergeben sich?

Kommunikation gegen Verständlislosigkeit

Verständnislosigkeit ist die häufigste negative Erfahrung, die Hochsensible in partnerschaftlichen Beziehungen beklagen. Verständnislosigkeit ist aber keine Naturnotwendigkeit. Wenn sie auftritt, muss sie zudem nicht für immer bestehen bleiben.

Kommunikation ist der entscheidende Faktor, der Verständnislosigkeit in Verständnis verwandeln kann. Hierzu gehört auch die Vertrautmachung des Partners mit dem HSP-Konzept, wozu Literatur einen wichtigen Beitrag leisten kann. Kann Verständnis erreicht werden, ist bereits viel gewonnen.

Abgrenzung erlernen

Auf Verständnislosigkeit folgt als zweithäufigstes Problem mangelnde eigene Abgrenzung. Abgrenzung ist nicht Lieblosigkeit, sondern Selbstfürsorge. Eine gesunde Partnerschaft ist immer auch selbstfürsorglich. Wer sensitiv wahrnimmt, Anteil nimmt, vieles erahnt und manches befürchtet, für den mag die Abgrenzung aber erschwert sein. Sie ist jedoch erlernbar und sie gelingt umso besser, je besser der Partner informiert ist und desto mehr die Partner miteinander kommunizieren und Absprachen treffen. Hierzu kann auch die Vereinbarung von Rückzugszeiten und die Klärung der Art und Weise gehören, in der Auseinandersetzungen miteinander geführt werden. Gelingt dies, kann sich die Nähe entwickeln.

Offenheit für Entwicklung

Dem Entwicklungsaspekt kommt große Bedeutsamkeit zu, um die Gesamtbilanz positiv zu gestalten. Partnerschaft ist nciht Stillstand. Zudem sind die möglichen Auswirkungen von Hochsensibilität komplex und können alle Empfindungen sensitivieren. Wer dies annehmen kann und Partnerschaft als Entwicklungsprozess betrachtet, kann eine gemeinsame Weiterentwicklung ermöglichen, oder aber mindestens selbst von Beziehungen, die zu Ende gehen, etwas lernen.

Trennung und Neuanfang

Schlagen alle Bemühungen zur positiven Gestaltung einer Beziehung, versagt auch die Möglichkeit einer Paartherapie, kann Trennung Zeichen gesunder Abgrenzung und der beste Ausweg sein. Erneut sind es gerade die Hochsensiblen, die unter Trennungen in der Regel am meisten leiden. Manchmal werden sie daher selbst dann noch vermieden werden, wenn sie unumgänglich sind. Andererseits können gerade Hochsensiblen verstehen, dass Trennung auch als Chance begriffen werden und der Schmerz als Herausforderung angenommen werden kann. Aus jeder Trennung ergibt sich die Aussicht auf einen besseren Neuanfang und damit auch die Möglichkeit einer passenderen Partnerwahl.

Achtsame Partnersuche

Für eine glückliche Partnerschaft zentral ist das wechselseitige Verständnis. Es ist wichtig, bereits in der Phase der Partnersuche und des Beziehungsaufbaus darauf zu achten, ob sich ein Verstehen entwickelt und der Umgang miteinander achtsam ist. Eine Partnerschaft mit einer ebenfalls hochsensiblen Person kann dabei durchaus hilfreich sein, ist aber nicht Voraussetzung für eine tragfähige Partnerschaft. Voraussetzung für eine hochsensible Liebe ist aber ein gegenseitiges Verständnis und Annehmen .

Verfasser: Diplom-Psychologe Guido F. Gebauer

About Author:

Guido F. Gebauer, studierte Psychologie an den Universitäten, Trier, Humboldt Universität zu Berlin und Cambridge (Großbritannien). Promotion an der University of Cambridge zu den Zusammenhängen zwischen unbewusstem Lernen und Intelligenz. Im Anschluss rechtspsychologische Ausbildung, Tätigkeit in der forensischen Psychiatrie und 10-jährige Tätigkeit als Gerichtsgutachter. Gründung der psychologischen Kennenlern-Plattform www.Gleichklang.de 2006. Arbeitet seither als Psychologe für Gleichklang. Autor bei Hochsensible.eu, vegan.eu und Menschenrechte.eu

21 thoughts on “Hochsensible Liebe

  1. Es ist so, als würde ein unsichtbares Netz gewebt..Die Tatsache, dass so viele Menschen mit ihrer HS an die Öffentlichkeit gehen, ist für mich ein Zeichen, dass es einen Wandel gibt..Je mehr man sich mit diesen Dingen vertraut macht, desto qualitativ hochwertiger werden die Beziehungen, so ist meine Erfahrung..Das kann auch in der
    Konsequenz bedeuten, die Dinge zu beenden, aber man ist sich selbst mehr treu. Vielen Dank und macht weiter so…

  2. Auch ich habe an dieser Umfrage teilgenommen, mich allerdings nicht der hier untersuchten Gruppe („ja“ und „sehr sicher“) zugeordnet.

    Die Ergebnisse deuten für mich in eine klare Richtung: Wenn der/die nach eigener Einschätzung sicher hochsensible Partner/Partnerin nicht gerade zu den 9% gehört, die besondere Nähe erlangen, dann kann für nicht nicht gar so Hochsensiblen die Devise nur lauten: Wenn Du auf jemand Hochsensiblen triffst, lauf so schnell Du kannst! Laß Dich nicht vom Sirenengesang der ersten Faszination einfangen, denn die Hochsensiblen haben zu 91% destruktive Verhaltens- und Liebesweisen und werden leiden und Dich leiden lassen, Ihr Leid auf Dich abwälzen.

    Das ist zweifellos ein trauriges Ergebnis, deckt sich aber mit meiner persönlichen Erfahrung.

    Oder sind Hochsensible einfach Leute, die zwar sensibel, aber ohne Lebensmut sind, Energievampire, die einen bis auf’s Blut aussagen, bis man die Flucht ergreift? Und fühlen sich dadurch erst recht in ihrer Traurigkeit bestätigt? Kurz: Jammerlappen?

    Das war jetzt nicht sehr hochsensibel von mir, nicht wahr? 😉

    1. Ihrer abschließenden Frage stimme ich zu. Dem Rest davor nicht. Im übrigen rate ich allen (Hoch)sensiblen (und
      nicht nur diesen.) jmdn. zu meiden, der derartig unsinniges Zeug von sich gibt , was stellenweise schon an verbale Mißhandlung grenzt. Leute, laßt Euch nicht einlullen von irgendetwas an dieser Person, Ihm/ihr gebricht es eindeutig an Taktgefühl und gutem Benehmen. Ich glaube nicht, daß man überaus sensibel sein muß, um das zu bemerken.Er/sie hat da noch Lernprozesse zu durchlaufen.Es wird nur durch persönliche Erfahrung gehen.
      Ich hatte viel mit Leuten zu tun, die sich äußerten wie dieser Schreiberling , Habe viel gelitten ihretwegen.
      Brücken zu bauen ist letztendlich nicht wirklich gelungen. Wir redeten meistens aneinander vorbei. Empathie und Takt
      ist auch nichts, was sich herbeireden läßt, das sollte die Person entweder mitbringen oder eben für sich entwickeln.
      Letzteres bitte ohne andere zu kränken oder zu provozieren zu versuchen.
      Sie sind relativ leicht zu erkennen. Man muß bloß Abstand halten zum eigenen Helfersyndrom und sich tunlichst
      selbst Menschen mit positiven und aufbauenden Umgangsformen zuwenden.
      Gute Wünsche für uns alle, natürlich auch für die “ Ernstgemeinte Frage“ da oben.

    2. sehr witzig!
      vielleicht bist du ja auf einen hochsensiblen borderliner gestoßen.
      so gings mir und ich bin selbst „hochsensibel“ ich mag allerdings keine deklarationen obwohl sie dann und wann auch sinnvoll sein können.
      fazit für mich ist
      hochsensible haben in der regel keinen guten start gehabt. all diese oben aufgeführten aspekte treffen zu 90 prozent auch auf menschen zu welche nicht sehr anekennende eltern hatten. tübsal ist dann eben ein mittel der bewältigung.
      anerkennung und vertrauen gehören für mich in jede partnerschaft. und aus meiner sicht tun sich diejenigen welche meinen sie haben kein problem damit in ihrem gefühlsleben blockiert. denn irgendwo macht sich der unbewusste schmerz dann eben doch breit. und am ende leidet dann der körper.
      aber vielleicht sind das ja alles fiktionen erner hochsensiblen.

  3. Woher weiß ich ob ich hochsensibel bin? Was ich über Traumafolgen gelesen habe, kommt recht vielen ‚Symptomen‘ von Hochsensiblitität sehr nahe.

  4. Hallo Ernstgemeinte Frage,
    ich bin HS. Dein Kommentar berührt mich sehr, aber ich kann ihn nicht bestätigen. Wo kommen die 91% destruktiv her?
    Ich habe in meinen Beziehungen immer darauf geachtet, meine Partnerin möglichst nicht zu belasten, gerade weil ich HS bin. Ich kann mir aber herleiten, dass diese HS bereits von nicht HS so verletzt waren, dass diese ihre Beziehung als „emotionale Tankstelle“ dringend „miß/gebraucht“ haben. Die private Parterschaft ist der letzte Rückzugsort für einen HS. Schade nur dass gerade die esoterisch/spirituelle Gemeinde so wenig Verständnis für diese im innersten verletzten Menschen aufbringt. Sie wären eine große Bereicherung auf unserem gemeinsamen Weg. Selbst habe ich dass so erlebt, aus Bedürfnis wurde Bedürftigkeit. Eine Beziehung ist, bis zu einer gewissen Grenze, genau dazu da die Bedürfnisse des jeweils anderen zu Befriedigen. Ansonsten ist es eine Begegnung. Da ich vermute dass Du eine Frau bist… Hey das habt ihr doch gewollt …emotional erreichbare Männer! Blöd ist nur, dass ihr dann mit eurer weiblichen Emotionalität selber klar kommen müßt. Das wäre dann Entwicklung für euch. Wir haben Euch so viel zu geben….

    1. Hallo J.M.,

      vielleicht habe ich vorschnell gedacht, weil es so sehr zu meinen Erlebnissen passt. Möglich.

      Auf die 91% destruktiv komme ich, weil nur 9% positive Erfahrungen (große Nähe) gemacht haben und alle anderen im Artikel angesprochenen Punkte negativ sind: Unverstanden fühlen (41%), Probleme mit Abgrenzung (24%), Verletzungen und Leiden (14%), schwierig und kompliziert (11%), Trennungen (8%), destruktive Streiterei (7%), Rückzug (7%). Das sind zusammen über 100%, es gibt also offensichtlich Überlappungen. Wie groß der Anteil derer ist, für die’s einfach ok ist, habe ich nicht aus dem Artikel ersehen.

      Meine persönliche Erfahrung aus mehreren Beziehungen mit sehr sensiblen Frauen (apropos: ich bin ein Mann): Ihre Ansprüche sind moving targets – immer so formuliert (wenn sie denn bewusst formuliert werden, was überhaupt nicht selbstverständlich ist), daß man sie als Partner gerade eben nicht erfüllen kann, aber doch auch so, daß man sich wie blöde anstrengt. Wenn die Ansprüche nicht ausdrücklich formuliert werden, kommt als zusätzliche Hürde hinzu, daß man hellseherisch erraten muß, was denn heute gerade essentiell wichtig ist. Demzufolge gibt man jederzeit Anlaß zur Klage, die aus kleinstem Anlass, einem falschen Wort, dem Wecken einer falschen Erinnerung, ausbrechen kann, ausufern kann zur Gesamtbeschwerde aller Verfehlungen, die man sich je (imaginiert oder wirklich, völlig egal) zu schulden kommen lassen hat. Mitunter genügt ein einziges Stichwort am frühen Abend und ich weiß/wusste: Der Abend ist gelaufen, wie eine unaufhaltsame Lawine, ich werde jetzt bis weit nach Mitternacht mit Vorwürfen bombadiert. Emotionaler Terror vom Feinsten, zusammengehalten mit der Forderung, man könne jetzt nicht weg, denn man müsse doch versöhnt wieder einschlafen und dafür müsse erst einmal alles auf den Tisch. Echt, zum hundertsten Mal innerhalb eines Jahres!?

      Bei der Stange gehalten wird man mit herrlicher Laune, spannenden Tagen, wunderbarem Sex, phantastischen Glücksmomenten, strahlenden Augen und was man sich noch alles wünscht. Immer wieder denkt man in solchen Momenten, es sei den Preis der Streits wert.

      Nein, ist es nicht. Irgendwann ist’s dann auch mal gut mit dem ständig Verständnis haben müssen, mit der ständigen Forderung nach Rücksichtnahme der ach so Hochsensiblen bei gleichzeitiger eigener Gnadenlosigkeit in den Vorwürfen und verletzenden Worten. Es zermürbt einen und hinterläßt am Ende nach Jahren beide am Ende ihrer Kräfte. Bis man sich erschöpft trennt, weil einfach keine Kraft mehr für irgendwas da ist, beiderseits.

      Mehrfach erlebt. Zwischendurch suche ich mir dann eine weniger anstrengende Frau, die mich leider bald darauf langweilt. Ich bin vermutlich blöd … nicht lernfähig, daß ich mir immer wieder Hochsensible suche, weil ihre Faszination so stark ist.

      OK, genug räsonniert. Können wir uns vielleicht darauf einigen, daß der eigene Partner niemals der eigene Therapeut sein darf, daß diese Rollen streng getrennt werden müssen?

      1. Ach ja, Eines noch: Gewiss hast Du recht, wenn Du von früheren Traumata sprichst. Aber ist es wirklich zuviel verlangt, zwischen Freund und Feind zu unterscheiden? Ich bin nicht der, der ihr zugefügt hat, was passiert ist, bevor wir uns kannten. Warum werde ich dafür angegriffen? Übertragung? Pah, lerne zu erkennen, wer für Dich ist! Das kann man von erwachsenen Menschen wohl erwarten, auch wenn sie Hochsensibel sind.

        1. Deine Beziehungen zu Hs Frauen scheinen ja der Stoff zu sein aus dem Hollywood Filme macht.

          Ich muß Dir aber leider in einigen Punkten Wiedersprechen, mein junger „Paravan“. (aus Star Wars für Schüler 😉
          Habe mich die letzten Jahre sehr intensiev mit dem Thema „Mann sein“ und Beziehung und Entwicklung beschäftigt. Siehe Artikel in der Tattva. Hier meine Erfahrung. Deine Anziehung zu diese Sorte Frau resultiert gerade aus diesem gefühlten Spannungsfeld. Hast Du ja auch bemerkt. Und genau da passiert Entwicklung in der/jeder Beziehung und die ist immer irgendwie Therapeutisch, weil ihr euch eure Defizitte spiegelt und euch gegenseitig eure Bedürfnisse erfüllt.

          Freund/ Feind: z.B. Die neue Frau meines Bekannten wurde in den letzten beiden Beziehungen geschlagen, auch in dieser Beziehung tut sie eigendlich alles dafür, dass das wieder passiert. Sie tut das, um das auslösende Urtrauma durch Wiederhohlung zu erkennen und aufzulösen. Mein Bekannter weiß das, ist in seiner Entwicklung vorangeschritten und hält sie in ihrem Schmerz aus, indem er Bewußt bleibt und sich nicht auf das Spiel einläßt. Es gibt weniger Drama. Eine Therapie ist geplant.

          Wärst Du integral informiert, Ken Wilber, oder zumindest mit dem Enneagramm vertraut, könntest Du den Entwicklungsstand Deiner eventuellen Partnerin besser einschätzen und die Folgen für Dich in der Beziehung. (Irgendwie weißt Du ja schon was Dich was Dich bei einer HS Frau erwartet)
          Das Enneagramm ermöglicht Dir dann die spezifische Persönlichkeit der Frau Deiner Sehnsucht zu erfassen und z.B. wie sie auf Druck/Stress reagiert (Rückzug/Angriff) oder was ihr Muster ist um Aufmerksamkeit von Dir zu erhalten. Bei meiner derzeitigen ist es z.B. Provokation. Werde ich von Ihr provoziert, werde ich wach und bleibe entspannt, gebe ihr Aufmerksamkeit und gut ist.

          Die meisten Frauen erwarten von ihrem Partner, dass er ihre Emotionalität aushält und abfedert. HS Frauen sind da wahrscheinlich, aus bekannten Gründen, noch wesentlich anspruchsvoller.
          Nur weil jemand HS ist und sooo spirituell , heißt dass also noch lange nicht, dass dieser in seiner Entwicklung reifer ist. Das Enneagramm hilft da eine „Verwicklung“ in den negativen Pol zu erkennen.
          Z.B durch Traumata.
          Ich empfehle Dir Martin Ucik, Integrale Beziehungen – Ein Handbuch für Männer, (Zeig dass nicht Deiner Frau 😉 und von Vivian Dittmar, Beziehungsweise. Das soltet Ihr beide lesen.

      2. Das mit den „91% negativ“ ist aus folgenden Gründen nicht aus der Auswertung zu entnehmen:

        1.) Zitat aus dem Artikel: „Zunächst darf die teilweise eher geringe Häufigkeit der aufgefundenen Kategorien nicht mit einer geringen Bedeutsamkeit verwechselt werden. Denn das gewählte Vorgehen der Analyse völlig freier Texte führt notwendigerweise dazu, dass die tatsächliche Häufigkeit einzelner Kategorien erheblich unterschätzt wird. In einem freien Text nennen Menschen in der Regel nicht alle bedeutsamen Aspekte. Sie stellen vielmehr vor allem das dar, was ihnen ganz besonders wichtig ist. Oder sie schildern das, was sie gut schildern können. Ebenfalls können in einem freien Text schnell Aspekte vergessen werden. Freie Texte sind also selten vollständig. Würden die gleichen Kategorien demgegenüber in einem Fragebogen vorgegeben und über Ankreuzen erfasst, würden sicherlich sehr viel häufigere Bejahungen resultieren.“

        2.) Die Kategorien sind nicht alle negativ. Letztlich positive Erlebnisse können bei Betroffenen auch gefunden werden in folgenden Kategorien:

        – Abgrenzung als Schwierigkeit und Herausforderung (Beispiel: „Mangelnde Abgrenzungsfähigkeit war ein großes Problem für mich, …besonders schöne und besonders negative Momente waren besonders intensiv, habe viel erlebt und gelernt, viele sehr unterschiedliche Kontakte durch großes Bedürfnis Neues kennenzulernen“)

        – Besondere Nähe wird möglich

        – Trennungen als Folge (Beispiel: „Daran ist letztendlich die Beziehung gescheitert…und das war gut sooo!“), Trennungen sind keineswegs nur negativ sein, sondern können auch eine positive Bewältigung sein.

        -Positive und negative Auswirkungen (Beispiel: „ich habe in schlechten Zeiten vermutlich mehr gelitten als nötig aber dafür gute Zeiten sicherlich mehr genossen als manch anderer“ oder:
        „Zum einen bereichert, zum anderen manches verkompliziert. Aber der Preis ist okay ;)“
        )

        – Beziehung mit hochsensiblen Partnern (Beispiel: „Oft frustriert wenig verstanden viel besser mit hochsensiblen Partner“)

        – Entwicklung (Beispiel: „Anfangs war es schwierig nach einem Jahr wurde unsere Beziehung bis zu ihrem Tod immer harmonischer“)

        3.) Es ging hier erst einmal vorwiegend darum, überhaupt herauszufinden, welche Erlebnisse vorliegen und sie zu kategorisieren. Um wirklich genaues über die Häufigkeiten zu wissen,müsste auf diese Basis erst ein Fragebogen entwickelt werden, was auch geplant ist.

        4. ) Übrigens addieren sich die Prozente nicht zu 100%, weil bei den einzelnen Personen ja auch mehrere Erlebnisarten vorlagen konnten und es in der Regel taten.

  5. Sorry Leute – mich ärgert die Auswertung. Ja – es gibt sie die Hochsensiblen, aber jeder geht damit anders um!
    Ich melde mich sonst nie zu Wort, aber diesmal kann ich nicht anders.
    Man kann uns nicht pauschalisieren – und es wird sich definitiv nicht „den“ passenden Partner über diese „Spezialisierung“ finden lassen.
    Der eine kann mit dem HSP – der andere nicht.
    Ok – wir sind alle Rehe – das bestimmt. Wir spüren Dinge, die andere garnicht begreifen und nicht umfassen können.
    Je mehr wir uns darauf fixieren, desto mehr verlieren wir uns.
    Aber: Nicht alle reagieren auf Alles schreckhaft – manche lieben auch die Herausforderung. Wir sind komplex – so wie es ein Mensch sein sollte.

    1. Liebe Petra,

      die Auswertung ergibt sich aus den Antworten von 338 Menschen. Die Auswertung zeigt sehr individuelle Erlebnisweisen, so dass ich keine Pauschalisierung erkennen kann. Es werden für jede identifizierte Erlebnisweise im Original Zitate der Teilnehmenden angegeben, die aufzeigen, was unter einer benannten Kategorie gemeint ist. Eine Kategorie heißt explizit „Abgrenzung als Schwierigkeit und Herausforderung“, was ja genau deiner Aussage „manche lieben auch die Herausforderung“ entspricht. Die Komplexität, die du benennst, ist im Grunde die Schlussfolgerung des Artikels. Was ärgerst dich denn so am Artikel?

      1. Ja – ich war auch dabei.
        Es spiegelt nicht genug. Es geht mir nicht tief genug. Auch die Gruppe der HSP ist extrem unterschiedlich – habe genug kennengelernt und bin immer wieder erstaunt, wie viele in sich selbst gefangen sind.
        Schwer zu artikulieren. Kann mich im Prinzip nur wiederholen: Egal wer ihr seid, findet endlich inneren Frieden.

        1. „Egal wer ihr seid, findet endlich inneren Frieden.“ Dem schließe ich mich voll an. Ohne inneren Frieden keine funktionierenden Beziehungen. So einfach das in der Analyse erkennbar ist, so schwierig ist es zu erreichen für die Betroffenen und ihre Co-Abhängigen. Denn das scheint es mir oft zu sein: Eine Sucht nach dem Kick (was ich als Extremsportler durchaus verstehe) – leider drückt sich der Kick allzu oft im Drama aus. Für die Umwelt und einen selbst auf Dauer unerträglich.

          1. Hi Stephan, ob eine Herausforderung zur Sucht wird, liegt in uns selbst. Ja, schon klar – banale Antwort. Jeder muss seine „Baustellen“ bearbeiten. Wie der Einzelne in sich selbst Frieden erlangt, kann man nicht banal beantworten. Ich lehne mich aber definitiv gegen Aussagen wie: Meditation hilft etc. auf. Aus dem ganz einfachen Grund, dass es für niemanden „DIE“ einzige Heilsrettung gibt. Einfach erkennen, dass alles „eins“ ist.
            Mein Gefühl ist einfach, dass je mehr man sich auf diese „Begabung“ (lach – ich wünschte ich hätte sie nicht), die Fluch und Segen ist, konzentriert, desto schwieriger damit umzugehen.
            Manchmal ist es besser Dinge laufen zu lassen. Das meint nicht sich selbst zu verleugnen.

  6. Vielen Dank für diese ausführliche Analyse der hochsensiblen Liebe, in der ich mich voll wiedererkenne. Ich habe diese Probleme allerdings bisher immer auf eine Prägung durch mein Elternhaus (Stichwort: unglückliche Kindheit) zurückgeführt. Wie lässt sich das trennen?
    Heute lebe ich nach einer Scheidung, einer längeren Beziehung mit einem verheirateten Mann und danach 3 sehr schmerzhaft geendeten Beziehungsversuchen glücklich allein, bin mit mir selbst im Reinen und fühle mich bei mir angekommen. Einer erneuten Partnersuche stehe ich nach 15 partnerlosen Jahren eher ambivalent gegenüber. Dem Wunsch nach großer seelischer Nähe steht die Befürchtung entgegen, dass es wohl nicht sehr viele sensible Männer gibt, die diese Entwicklungsschritte gegangen sind.

    1. Liebe Ingrid, vieles was ich hier lese klingt auf schmerzliche Weise vertraut. Auch ich habe eine Ehe und danach drei sehr schwierige Beziehungen hinter mir. Vor ein paar Jahren las ich ein einschlägiges Buch über HSP und fand mich in vielem wieder. Erst kürzlich dann ein Buch über Trauma und Traumafolgen. Und wirklich viele Symptome solcher Traumafolgen stimmten mit Merkmalen von HSP überein. Für mich persönlich erklärt sich meine Hochsensibilität sehr plausibel mit frühen
      Verlassenheitstraumata und Verlusterfahrungen. Auch im Internet finden sich dazu interessante Ausführungen.
      Ich kann nun manche ‚Stressreaktion‘ von mir, insbesondere in meinen vergangenen Beziehungen besser verstehen und hoffe durch regelmäßiges Meditieren / bewusstes Atmen zu mehr Gelassenheit zu gelangen, zumal durch Meditation auch Veränderungen im Gehirn möglich sind, die in einer herkömmlichen Gesprächs- oder Verhaltenstherapie nicht so zu erreichen sind.
      Fünfzehn partnerlose Jahre kann ich mir schwer vorstellen, doch deine Befürchtung kann ich nachvollziehen.

    2. Hallo Ingrid B.,
      Nach meinem Wissensstand machen uns genau diese prä und Postnatalen, frühkindlichen „Verwerfungen“ zu dem was wir sind, weil diese die für HS zuständigen Nervenbahnen in Gehirn dadurch von Dorfstraßen zu Highways ausgebaut werden.

      Aus meiner Teilnahme an diversen Männergruppen, wo Männer sich auch mal öffnen, weiß ich dass es viele solche sensiblen Männer gibt, die wie Du selbiges erlebt haben und ebenfalls keine Partnerin finden, die sie so nehmen wie sie sind.
      Meine persönliche Wahrnehmung geht dahin, dass wir es verlernt haben eine Beziehung über die Verliebtheit in die Liebe zu transformiren. Hormonrausch ist spannender als der Altag und die Macken des anderen zu ertragen, die man am Anfang noch als extravagante Alüren wahrgenommen hat.
      Auch mir geht es ähnlich wie Dir und ich weiß nicht mehr wie ich in der heutigen Zeit und unserem Verständnis von „Freiheit“ eine Beziehung zu einer Frau aufbauen kann, die in guten wie in schlechten Zeiten hält. Es gibt vordergründig keine wirksamen Bindungskräfte mehr. Weder mit einer Normalen noch mit einer HS Frau. Weil ob HS oder nicht, letzendlich bleiben wir was wir sind, zwei unterschiedliche Pole, die darauf warten vom anderen verstanden zu werden.
      Meine Geschichte findest Du in dem Link unten in der Tattva Viveka.

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