Neuer Hochsensibilitäts-Struktur-Test jetzt verfügbar

Soeben haben wir den neuen Hochsensibilitäts-Struktur-Test (HSST-Test) Online gestellt.

Anders als der Hochsensibilitäts-Test (HSP-Test), der nur das Bestehen von Hochsensibilität insgesamt feststellt, ermöglicht der HSST eine differenzierte Analyse des Ausprägungsgrades hochsensitiver Verarbeitungsweisen in den sieben Grunddimensionen (1) Einfühlung und Empathie, (2) Wahrnehmungs-Sensitivität, (3) Gedankliche Komplexität, (4) Positive Gefühlssensitivität, (5) Selbstreflexion und Selbsterleben, (6) Moralische Sensitivität und (7) Belastung und Überforderung.

Hier zum neuen HSST-Test!

Umfangreiche inhaltliche und statistische Informationen werde ich in Kürze hier im Blog zum neuen Test einstellen. Der Test wird dabei demnächst noch leicht angepasst werden.

Die Basis des neuen Tests beruht auf den Fragebogenangaben von (bisher) 2439 Personen, die umfangreichen statistischen Analysen unterzogen wurden.

Dieser Artikel dient vorwiegend der rein inhaltlichen Erklärung des Tests und der Interpretation der Testergebnisse.

Über Rückmeldungen über Ihre eigenen Testergebnisse freue ich mich übrigens immer und gebe auch gerne individuelle Interpretations-Hinweise. Senden Sie mir in diesem Fall bitte auch die pdf-Datei mit den Testergebnissen zu: gebauer@gleichklang.de

Vergleichsbasis: Personen mit hochsensitiven Verarbeitungsweisen

Jedes individuelle Testergebnis wird mit dem durchschnittlichen Testergebnis einer Stichprobe von Personen verglichen, die im HSP-Test mindestens als teilweise oder vollumfänglich hochsensibel identifiziert wurden. Deshalb sprechen also bereits durchschnittliche Werte für entsprechend hochsensitive Verarbeitungsweisen.

Der Auswertung liegt eine sogenannte T-Skala zugrunde. Entsprechend ist der Durchschnittswert der Skala 50, unterdurchschnittlich sind Werte, die kleiner 40 sind, stark unterdurchschnittlich sind Werte, die kleiner 30 sind. Überdurchschnittlich sind Werte, die größer 60 sind, stark überdurchschnittlich sind Werte, die größer als 70 sind.

Sieben Dimensionen der Hochsensibilität

Mithilfe von Verfahren der sogenannten Faktorenanalyse wurden die zahlreichen Einzelfragen der Untersuchung zur Erstellung des HSST-Test auf sieben zugrundeliegende Dimensionen reduziert, die als Komponenten oder Faktoren der Hochsensibilität betrachtet werden können

Einfühlung und Empathie

Fähigkeit und Bereitschaft zur Wahrnehmung der Gefühle anderer Menschen und zur eigenen emotionalen Berürhtheit durch die Gefühle anderer Menschen. Einfühlung und Empathie sind bei Menschen mit hochsensitiven Verarbeitungsweisen erhöht.

Wahrnehmungs-Sensitivität

Intensität, mit der sich Reize und Umgebungseigenschaften verschiedener Modalitäten (z. B. visuell, auditiv, olfaktorisch, taktil …) als Wahrnehmungseindrücke subjektiv im Erleben widerspiegeln. Hochsensible Menschen weisen eine besondere Intensität der Wahrnehmung auf.

Gedankliche Komplexität

Komplexes Durchdenken von Zusammenhängen, um zu einem vertieften und authentischen Verständnis zu gelangen. Gedankliche Auseinandersetzung mit Sachverhältnissen, anstatt vorschnelle Urteile oder Halbwissen. Hochsensible Menschen kennzeichnen sich durch eine erhöhte gedankliche Komplexität.

Positive Gefühlssensitivität

Begeisterungsfähigkeit, Fähigkeit zum  intensiven Erleben von Freude und Glückserfahrungen, ohne dass besonders extreme Situationen oder Umgebungseigenschaften vorliegen müssen. Positive Gefühlssensitivität wird bei Diskussionen zu Hochsensibilität oft vernachlässigt.

Selbstreflexion und Selbsterleben

Auseinandersetzung mit sich selbst, den eigenen Gefühle, Gedanken und Erlebnisweisen. Erhöhte Selbstreflexion und Streben nach Selbsterfahrung und -entwicklung ist für hochsensible Menschen typisch.

Moralische Sensitivität

Achtsamer Umgang mit anderen Menschen auf der Basis von Verstehen, Klärung und Versöhnung, statt auf der Basis von Rache und Revanche. Einstehen für mitmenschlichen, solidarischen und liebevollen Umgang. Hochsensible Menschen kennzcichnen sich durch eine besondere moralische Sensitivität.

Belastung und Überforderung

Diese Komponente wird in Diskussionen über Hochsensibilität leider oft in den Vordergrund gestellt, kann aber in Wirklichkeit bei hochsensiblen Menschen mit guten Bewältigungs-Ressourcen keine oder nur eine geringe Rolle spielen. Erfasst wird eine Belastung und ein Leiden an den eigenen hochsensitiven Verarbeitungsweisen aufgrund der Konfrontation mit der mehrheitlich nicht hochsensiblen Außenwelt. Überforderung, Depressivität, Ängste, Rückzug, Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, geringe Belastbarkeit können die Folgen sein.

Hinweise zur Interpretation

Der Test ist für Hochsensible geeignet, die Ihre Hochsensibilität besser verstehen möchten. Er ist ebenso für Nicht-Hochsensible geeignet, die bei sich so womöglich dennoch einzelne Komponenten der Hochsensibilität entdecken können. Die Vergleichsstichprobe besteht – wie bereits dargestellt – aus Hochsensiblen, so dass durchschnittliche Werte bereits für Hochsensibilität sprechen.

Beispiel-Ergebnisse

  • Alle Komponenten liegen im Durchschnittsbereich (40 – 60): Dies Ergebnis spricht für Hochsensibilität mit einer Sensitivität in allen sieben Komponenten. Es besondere Dynamik mit besonders stark und weniger betroffenen Komponenten lässt sich nicht feststellen.
  • Alle Komponenten liegen mindestens im Durchschnittsbereich (40 – 60), aber es gibt auch eine oder mehr Komponenten, die überdurchschnittlich (> 60 ) ausgeprägt sind. Dies Ergebnis spricht für Hochsensibilität mit einer Sensitivität in allen sieben Komponenten, zeigt aber gleichzeitig eine besondere individuelle Dynamik mit einzelnen in ganz besonders hohem Ausmaß gegebenen sensitiven Komponenten.
  • Alle Komponenten liegen im Durchschnittsbereich, aber die Komponente Belastung und Überforderung ist unterdurchschnittlich. Dies Ergebnis spricht für Hochsensibilität mit einer sehr guten Bewältigung und Integration.
  • Mindestens drei Komponenten sind durchschnittlich oder überdurchschnittlich, aber es gibt ebenfalls mindestens zwei Komponenten mit unterdurchschnittlicher Ausprägung, wobei die Komponente Belastung und Überforderung aus der Betrachtung ausgeschlossen werden soll (sie zählt hier nicht mit). Dies Ergebnis lässt ggf. Zweifel an einer generalisierten Hochsensibilität aufkommen, vor allem wenn 3 Dimensionen unterdurchschnittlich sind. Das Ergebnis spricht eher für eine spezifische Dynamik, bei der einzelne hochsensitive Verarbeitungsweisen vorliegen, aber ebenso nicht-hochsensitive Komponenten bestehen.
  • Nur zwei Komponenten (abgesehen von Belastung und Überforderung) oder sogar nur eine Komponente ist durchschnittlich oder überdurchschnittlich ausgeprägt, während 4-5 Komponenten entsprechend unterdurchschnittlich ausgeprägt sind. Dies Ergebnis spricht gegen das Vorliegen von Hochsensibilität, zeigt aber, dass in einzelnen, isolierten Komponenten dennoch Verabreitungsweisen vorliegen, die denen von Hochsensiblen ähnlich sind.
  • Alle Komponenten (einschließlich Belastung und Überforderung) liegen unterdurchschnittlich (< 40): Dies Ergebnis spricht gegen das Vorliegen von Hochsensibilität und zudem ebenfalls gegen das Vorhandensein einzelnen besonders sensitiver Komponenten. Das Ergebnis spricht außerdem gegen das Vorliegen einer besonderen psychischen Belastung.
  • Alle Komponenten sind unterdurchschnittlich (< 40) mit Ausnahme der Komponente Belastung und Überforderung, die durchschnittlich oder überdurchschnittlich ist. Dies Ergebnis spricht gegen das Vorliegen von Hochsensibilität. Bei überdurchschnittlichem Wert in Belastung und Überforderung spricht das Ergebnis für psychische Probleme, die aber nicht mit Hochsensibilität zusammenhängen. Bei durchschnittlichem Wert in Belastung und Überforderung  wird ebenfalls eine gewisse psychische Belastung erkennbar, deren Ursache jedoch ebenfalls nicht in Hochsensibilität liegt.

Beispielhafte Handlungsimplikationen

Die Kenntnis der eigenen Struktur ist immer hilfreich, um den eigenen Alltag an ihr zu orientieren, aber auch um Veränderungen zu erreichen. Dies sind nur drei Anregungen, die denkbar sind:

  • Wird in dem Test eine hohe psychische Belastung sichtbar, kann dies Anlass sein, verbesserte Bewältigungsstrategien einzuüben, einschließlich der Suche nach Möglichkeiten, den privaten und beruflichen Alltag so zu gestalten, dass dieser mehr in Einklang mit der eigenen Struktur kommt.
  • Zeigen sich bei bestehender Hochsensibilität unterdurchschnittliche Werte in der Sensitivität für positive Gefühle, ist es sinnvoll, das eigenen Erleben mehr auf positive Gefühle und Möglichkeiten zu Alltagsfreuden auszurichten, um diese zutage werdende Blockierung auflösen und die eigenen Zufriedenheit erhöhen zu können.
  • Besteht eine geringe moralische Sensitivität, mag dies Anlass geben, über die eigenen moralischen Urteile noch einmal zu reflektieren und zu einer achtsameren, weicheren und liebevolleren Betrachtung zu gelangen.

Hochsensiblitäts-Test (HSP-Test) und Hochsensiblitäts-Struktur-Test (HSST)

Beide Test können zusammen angewandt werden und ergänzen sich in der Interpretation:

  • Vom Vorliegen einer Hochsensibilität ist umso stärker auszugehen, wenn beide Testergebnisse hierauf hinweisen. Wenn demgegenüber der HSP-Test gegen eine Hochsensibilität spricht, sich aber im HSST-Test hochsensible Dimensionen zeigen, ist eher nicht von einer generalisierten Hochsensibilität, sondern von spezifischen hochsensitiven Komponenten auszugehen.
  • Sollte der HSP-Test für Hochsensibilität sprechen, während sich hierfür aber im HSST-Test keinerlei Ansatzpunkte zeigen, sollten die Tests noch einmal wiederholt und über die Antworten genauer reflektiert werden.

    Hier zum neuen HSST-Test!

 

About Author:

Guido F. Gebauer, studierte Psychologie an den Universitäten, Trier, Humboldt Universität zu Berlin und Cambridge (Großbritannien). Promotion an der University of Cambridge zu den Zusammenhängen zwischen unbewusstem Lernen und Intelligenz. Im Anschluss rechtspsychologische Ausbildung, Tätigkeit in der forensischen Psychiatrie und 10-jährige Tätigkeit als Gerichtsgutachter. Gründung der psychologischen Kennenlern-Plattform www.Gleichklang.de 2006. Arbeitet seither als Psychologe für Gleichklang. Autor bei Hochsensible.eu, vegan.eu und Menschenrechte.eu

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