Erweiterte Auswertung für den Hochsensibilitäts–Struktur-Test

Hintergrund

Der Hochsensibilitäts–Struktur-Test (HSST-Test) erfasst Hochsensibilität nicht als ein eindimensionales Merkmal. Erfasst werden stattdessen die sieben Komponenten:

  1. Einführung und Empathie
  2. Wahrnehmung-Sensitivität
  3. gedankliche Komplexität
  4. positive Gefühlssensitivität
  5. Selbstreflexion und Selbsterleben
  6. moralische Sensitivität
  7. Belastung & Überforderung

Grund hierfür ist, dass unsere Daten-Auswertungen zeigen, dass Indikatoren für Hochsensibilität in ihrem Zusammenhangs-Muster nicht nur auf ein einziges Merkmal, sondern auf mehrere, miteinander korrelierte Merkmale hinweisen.

Demnach ist es beispielsweise möglich, dass in einzelnen Komponenten hochsensitive Verarbeitungsweisen vorliegen, in anderen aber nicht:

  • Personen, die global gesehen nicht als hochsensibel zu bezeichnen sind (beispielsweise geringer Gesamtpunktwert im Hochsensibilitäts-Test, HSP-Test), mögen trotzdem in spezifischen Komponenten hochsensitive Verarbeitungsweisen zeigen.
  • Umgekehrt ist es möglich, dass global gesehen hochsensible Personen nicht in allen Komponenten der Hochsensibilität hochsensitive Verarbeitungsweisen aufweisen.

Der Hochsensibilitäts–Struktur-Test soll so also eine zusätzliche differenzierte Berücksichtigung von hochsensiblen Verarbeitungsweisen in einzelnen Bereichen ermöglichen.

Erweiterte Auswertung und Interpretation

Hochsensible und nicht-hochsensible Bezugsgruppe

Die Darstellung der Ergebnisse für den Hochsensibilitäts–Struktur-Test ist so eben erweitert worden:

In der vorherigen Version erfolgte der Vergleich eines individuellen Ergebnisses in den sieben Komponenten mit den Durchschnittswerten einer Stichprobe aus hochsensiblen Personen, wobei in diese Bezugsgruppe alle Personen eingeschlossen wurden, die gemäß dem Ergebnis des HSP-Tests als teilweise oder vollständig hochsensibel klassifiziert wurden.

In der aktuellen Version erfolgt der Vergleich eines in Wellen Ergebnisses in den sieben Komponenten mit den Durchschnittswerten von zwei Bezug-Gruppen, markiert in unterschiedlicher Farbe:

  • in rot markiert wird weiterhin der Vergleich zur Bezugsgruppe der Hochsensiblen dargestellt. Allerdings werden hierbei jetzt mehr diejenigen mit berücksichtigt, die nur teilweise hochsensibel sind. Die Bezugsgruppe setzt sich also ausschließlich aus Personen zusammen, die nach dem Ergebnis des HSP-Tests eindeutig hochsensibel sind.
  • in blau markiert wird nunmehr zusätzlich der Vergleich zur Bezugsgruppe der nicht-hochsensiblen Personen dargestellt. Zu dieser Bezugsgruppe gehören ausschließlich Personen, die nach dem Ergebnis des HSP-Tests eindeutig als nicht-hochsensible klassifiziert wurden.

Interpretation

Die erweiterte Ergebnis-Darstellung dient einer verbesserten Interpretation und insbesondere auch einer verbesserten Abbildung möglicher Grenzfälle, bei denen nicht eindeutig von hochsensiblen oder nicht-hochsensiblen Verarbeitungsweisen gesprochen werden kann.

Die Gesamt-Interpretation ergibt sich aus dem Vergleich der roten Linie) durchschnittliche Ergebnisse von Hochsensiblen) mit der blauen Linie) durchschnittliche Ergebnisse von Nicht-Hochsensiblen):

  • überdurchschnittliche Werte in der roten Linie ( T > 60) sprechen immer für hochsensitive Verarbeitungsweisen. Sie gehen auch ausnahmslos immer mit (noch stärker) überdurchschnittlichen Werten in der blauen Linie einher. Je höher die Werte, desto stärker liegen hochsensitive Tendenzen vor.
  • unterdurchschnittliche Werte in der roten Linie ( < 40) sprechen immer und unabhängig von den Ergebnissen in der blauen Linie gegen hochsensitive Verarbeitungsweisen.
  • durchschnittliche Werte in der roten Linie ( T = 40 – 60) sprechen für hochsensitive Verarbeitungsweisen, wenn sie mit unterdurchschnittlichen Werten in der blauen Linie einhergehen. Inhaltlich bedeutet dies, dass die Merkmalsausprägung im Vergleich zu Hochsensiblen durchschnittlich ist, aber im Vergleich zu Nicht-Hochsensiblen eine sehr viel stärkere Merkmalsausprägung vorliegt. Genau dies weist auf Hochsensibilität hin.
  • liegen sowohl bei der roten und der blauen Linie durchschnittliche Werte vor, ist das Ergebnis nicht eindeutig, liegt also im Grenzbereich. Inhaltlich bedeutet dies, dass im Vergleich zu Hochsensiblen die Merkmalsausprägung im unteren Durchschnittsbereich liegt, im Vergleich zu Nicht-Hochsensiblen die Merkmalsausprägung aber im oberen Durchschnittsbereich liegt. Das Ergebnis spricht also für eine eher geringere Ausprägung als bei anderen Hochsensiblen, aber für eine höhere Ausprägung als bei anderen Nicht-Hochsensiblen. Es lässt sich hier auch von tendenziell hochsensibel sprechen.

Aussagekraft der Befunde

Der Hochsensibilitäts-Test (HSP-Test) sagt Ihnen ausschließlich, ob Sie Merkmale aufweisen wie sie typischerweise bei Menschen auftreten, insgesamt als hochsensibel bezeichnet werden können. Dies ist natürlich bereits eine wichtige Information.

Der Hochsensibilitäts–Struktur-Test (HSST-Test) ermöglicht es Ihnen, Ihre möglichen hochsensiblen Verarbeitungsweisen differenzierter zu betrachten.

Hochsensibilität global gegeben

Bei positivem HSP-Test erlaubt der HSST-Test zusätzlich unter anderem die Beantwortung folgender Fragen:

  • bestehen bei mir generalisierte hochsensible Verarbeitungsweisen oder gibt es bestimmte Schwerpunkte, in denen ich mehr oder weniger hoch sensitiv bin?
  • wenn es bestimmte Schwerpunkte gibt – in welchen Komponenten zeigt sich inhaltlich meine Hochsensibilität besonders deutlich? Gibt es auch Komponenten, wo ich keine hochsensitiven Verarbeitungsweisen zeige?
  • wie sehr schaffe ich es, für mich selbst positive Aspekte der Hochsensibilität zu maximieren (positive Gefühlssensitivität), aber negative Aspekte zu minimieren (Belastung und Überforderung)?
  • weist meine Hochsensibilität prosoziale Komponenten auf (Einfühlung und Empathie oder moralische Sensitivität der roten Linie durchschnittliche oder überdurchschnittlich) oder ist sie eher Egozentrik (unterdurchschnittliche Einfühlung und Empathie oder moralische Sensitivität)?
  • wie stark sind meine hochsensitiven Verarbeitungsweisen in den unterschiedlichen Komponenten im Vergleich zu anderen Hochsensiblen?

Hochsensibilität teilweise gegeben

Der HSST-Test erlaubt zusätzlich ein besseres Verständnis des Ergebnis „teilweise hochsensibel“ im HSP-Test:

  • Welche Komponenten liegen im Grenzbereich zwischen Hochsensibilität und Nicht-Hochsensibilität? Gibt es auch komponenten, wo hochsensitive Verarbeitungsweisen vollumfänglich gegeben sind?

Hochsensibilität nicht gegeben

Bei negativem HSP-Test (keine Hochsensibilität) erlaubt der HSST-Test ebenfalls die Beantwortung einer Reihe von Fragen:

  • gibt es bei mir einzelne Aspekte, wo ich hochsensitive Verarbeitungsweisen zeige, auch wenn insgesamt keine Hochsensibilität vorliegt? Oder gibt es Grenzbereiche, wo tendenziell hochsensible Verarbeitungsweisen erkennbar werden?
  • wie ist meine Prosozialität zu beurteilen (Einführung und Empathie, moralische Sensitivität)?
  • wie ist mein Belastung-Grad einzuschätzen (Belastung und Überforderung)?

Ausblick

Aktuell werden zum Test weitere Daten gesammelt. Dabei ist auch eine weitere Differenzierung des Tests vorgesehen.

In den nächsten Monaten werden in einem eigenen Artikel dann ähnlich wie für den Hochsensibilitäts-Test (HSP-Test) für Interessierte ausführliche statistische Informationen zur Verfügung gestellt werden.

Es lohnt sich, den Test nun mehr noch einmal auszufüllen. Für die Weiterempfehlung des Tests bedanke ich mich.

About Author:

Guido F. Gebauer, studierte Psychologie an den Universitäten, Trier, Humboldt Universität zu Berlin und Cambridge (Großbritannien). Promotion an der University of Cambridge zu den Zusammenhängen zwischen unbewusstem Lernen und Intelligenz. Im Anschluss rechtspsychologische Ausbildung, Tätigkeit in der forensischen Psychiatrie und 10-jährige Tätigkeit als Gerichtsgutachter. Gründung der psychologischen Kennenlern-Plattform www.Gleichklang.de 2006. Lebt und arbeitet in Kambodscha. Schreibt für Hochsensible.eu und vegan.eu.

One thought on “Erweiterte Auswertung für den Hochsensibilitäts–Struktur-Test

  1. Hallo, eine Anmerkung zum Test: würde ich mich nicht schon seit August über Hochsensitivität informieren -angestoßen von einer Freundin nach einem gesundheitlichen Desaster- würde bei diesem Test für mich wahrscheinlich „nicht hochsensibel“ als Ergebnis rauskommen. Denn bis dahin war ich der Ansicht, dass auch andere so oder vergleichbar denken wie ich. Dass Handeln und Fühlen anderer teilweise von meinem eigenen abweicht schrieb ich der Individualität der Einzelnen (Lebensumstände, Erziehung etc.) zu. Ohne Reflexion der entsprechenden Literatur mit meinem eigenen Erleben und Verhalten und psychologischer Betreuung hätte ich weitgehend überall den mittleren Bereich angeklickt, da ich mich selbst ganz anders wahrgenommen habe als ich mich nun nach diesen Erfahrungen bzw. Input wahrnehme.

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