Hochsensible träumen intensiver

Träume und Hochsensibilität

Den HSP-Test haben nunmehr bereits 15274 Personen ausgefüllt. Dabei werden im Test auch immer wieder wechselnde Fragen zu verschiedenen verwandten Themen gestellt. Diese Fragen machen es möglich, die Zusammenhänge zwischen den Ergebnissen im HSP-Test und verschiedensten Inhalten untersuchen und so zu interessanten Ergebnissen gelangen zu können.

Ein solches Ergebnis ist, dass Hochsensibilität offenbar die Art, wie wir träumen, aber auch tagträumen, beeinflusst:

Die statistischen Auswertungen zeigen konsistent, dass Personen eine umso stärkere Intensität von Träumen und eine umso höhere Häufigkeit von Tagträumen berichten, je höher ihr Testergebnis im HSP-Test ausfällt.

Hochsensible Menschen erleben also intensivere Träume in der Nacht und neigen auch stärker zum Tagträumen.

Jetzt wurde im Fachjournal Clinical Psychology Review eine Übersichtsarbeit veröffentlicht, die mit diesem Befund übereinstimmt und zudem aufzeigt, unter welchen Voraussetzungen Träume eher positiv ausfallen und unter welchen Voraussetzungen Träume eher negativ ausfallen (Alpträume).

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Personen mit erhöhter Wahrnehmungs-Sensitivität häufiger besonders lebendige, bizarre, aber auch positive Nacht- und Tagträume berichten. Die Autoren übertragen diesen Befund auf Alpträume und gelangen hier wiederum zu dem Schluss, dass erhöhte Wahrnehmungs-Sensitivität auch Alpträume begünstigen kann. Hochsensible Verarbeitungsweisen erzeugen aber nach Auffassung der Autoren die Alpträume nicht selbst, sondern es ist das Zusammenspiel von erhöhter Wahrnehmungs-Sensitivität und ungünstigen Umwelteinflüssen, welches zu Alpträumen führen kann.

Hochsensible Menschen sind demnach besonders Alptraum gefährdet, wenn sie ihre Hochsensibilität nicht ausreichend als Ressource in ihre Umgebung einbringen können und sich stattdessen ungünstigen Umwelteinflüssen ausgesetzt sehen. Umgekehrt können förderliche und positive Umweltbedingungen bei Hochsensiblen zu besonders erlebnisreichen, positiven Träumen und Tagträumen führen.

Hochsensibilität ist also – auch was das Träumen betrifft – keineswegs typischerweise ein Problem. Vielmehr haben hochsensible Menschen sensiblere Antennen, die die Signale der sie umgebenden Umwelt besonders differenziert empfangen und hierauf dann beim Träumen entsprechend besonders lebendig und differenziert reagieren.

Wie lassen sich Alpträume überwinden?

Hier kann Hochsensiblen die aus der Verhaltenstherapie stammende Imagery Rehearsal-Therapie besonders gut helfen:

  • Bei der Imagery Rehearsal-Therapie stellen sich Menschen mit Alpträumen nach dem Aufwachsen die Alptrauinhalte noch einmal intensiv vor und konfrontieren sich so mit ihnen. Durch diesen Prozess der Konfrontation tritt bereits eine Entaktualisierung ein, der eine entkatastrophisierende Verarbeitung des erlebten Alptraumes ermöglicht. Über die reine Konfrontation hinausgehend, wird im Anschluss ein positives Traumende herausgearbeitet.

Studien zeigen, dass bei konsequenter Anwendung der Imagery Rehearsal-Therapie Alpträume im zeitlichen Verlauf immer mehr abnehmen und oftmals schließlich gänzlich verschwinden.

Wie lässt sich ein lebendiges und positives Träumen erreichen?

Imagery Rehearsal-Therapie ist für Menschen gedacht, die von Alpträumen geplagt werden. Jenseits von Alpträumen können und sollten wir aber auch etwas für ein positives und lebendiges Träumen tun.

Aus meiner Sichtweise gelten für das Träumen all die Empfehlungen aus meinen vorherigen Blog-Artikeln „So können Hochsensible glücklich werden“ und „Was hilft gegen das Leiden an der Welt?“. Je besser es hochsensiblen Menschen gelingt, ihren Alltag zufrieden, glücklich und stabil zu gestalten, desto stärker wird sich dies auch in ihrem Traumerleben niederschlagen.

Folgendes kann entsprechend hilfreich sein:

  • Sich in der Natur aufhalten
  • Meditation, Selbsterfahrung und Aufsuchen von Stille
  • positive Annahme der eigenen Hochsensibilität
  • Etablierung eines förderlichen beruflichen Umfeldes
  • Bewusstwerden über eigene Lebensziele
  • sich mit Gleichgesinnten auszutauschen
  • kreativ werden
  • sich mitmenschlich verhalten
  • Abgrenzung einzuüben, wo notwendig

Das Ziel ist klar:

Wir sollten uns vor dem Träumen nicht fürchten, sondern es positiv annehmen, genießen und sogar aus ihm lernen. Denn so manche Idee entsteht im Traum.

About Author:

Guido F. Gebauer, studierte Psychologie an den Universitäten, Trier, Humboldt Universität zu Berlin und Cambridge (Großbritannien). Promotion an der University of Cambridge zu den Zusammenhängen zwischen unbewusstem Lernen und Intelligenz. Im Anschluss rechtspsychologische Ausbildung, Tätigkeit in der forensischen Psychiatrie und 10-jährige Tätigkeit als Gerichtsgutachter. Gründung der psychologischen Kennenlern-Plattform www.Gleichklang.de 2006. Arbeitet seither als Psychologe für Gleichklang. Autor bei Hochsensible.eu, vegan.eu und Menschenrechte.eu

3 thoughts on “Hochsensible träumen intensiver

  1. Ich habe mir einfach mal, keine Ahnung, vor vielleicht 20 Jahren – oder wahrscheinlich ist es noch länger her -, gesagt, daß ich keine Alpträume mehr haben will. Und es hat seit dem auch gut geklappt. Gut, ich träume auch jetzt noch das, was allgemein als ’schlechter Traum‘ verstanden wird, doch nicht solche Träume mit Todesängsten. 😉

    Zu spirituellen Themen hatte ich damals noch absolut keinen Zugang; was ich mir jetzt wünsche ist ganz konkret bewußtes Träumen; so, wie es z. B. Carlos Castaneda in seinem Buch, „Die Kunst des Träumens“, jedoch auch in anderen, beschrieben hat.

    Frauen haben demnach übrigens einen leichteren Zugang dazu. Ihr habt [zumindest fast] alle eine Gebärmutter. Sie ist der einfachste Weg zum bewußten Träumen. Don Juan, der nicht nur Carlos‘, sondern z. B. auch La Gordas Nagual war, hat ihr dazu immer wieder kalte Kieselsteine aus dem nahen Fluß auf den Unterbauch gelegt, um ihr damit die Verbindung dorthin zu ermöglichen. Und wenn man den Büchern dazu Glauben schenkt – was ich mit meinen Erfahrungen tue -, hat es auch geklappt.

    Also, alles Gute denen, die noch immer ’schlecht träumen‘ und allen anderen auch. 🙂

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